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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Grün-braune Liebe zur Natur und zum Klima

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Gastbeitrag von Michael Krüger, auch erschienen bei Readers Edition.

Es gibt zwei Parteien die sich an der Klimadebatte beteiligen. Zum einen die Klimaschützer, zum anderen die Klimaskeptiker. Klimaschutz wird politisch eher dem linken Flügel zugeordnet, während Klimaskeptizismus politisch eher dem rechten Flügel zugeordnet wird. Das dieser “Grundsatz” pauschal so nicht stimmt – und historisch anders gewachsen ist – zeigt u.a. das Beispiel von Günther Schwab.

Günther Schwab (geboren am 7. Oktober 1904 in Prag; gestorben am 12. April 2006 in Salzburg) war ein österreichischer Schriftsteller, Autor und Förster. Er war Mitglied in der NSDAP und SA, letzter Rang Sturmführer. Er gründete den „Weltbund zur Rettung des Lebens“ (WRL) – später unbenannt in Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL) – und gilt als wegweisender Umwelt- und Klimaschützer.

Nach dem 1. Weltkrieg siedelte Schwabs Familie nach Wien um, wo Schwab seine Liebe zur Natur entdeckte und später (1930) der NSDAP und SA beitrat. In Zeiten des Nationalsozialismus war es durchaus üblich, dass man sich wie Schwab der Liebe zur Natur und dem Umweltschutz verschrieb. 1938 waren von den deutschen Forstbeamten 85 Prozent Mitglied der NSDAP, was ein schöner Ausdruck der spezifisch deutschen Liebe zum Wald ist.

Die “eigen-artige” Verwobenheit von Natur, “Volk”, Nation, “Blut und Boden” ist ein typisches Kennzeichen völkischer Ideologie in Deutschland der NS-Zeit.

Gert Gröning, Professor an der UNIVERSITÄT DER KÜNSTE in Berlin (UdK), Fachgebiet “Gartenkultur und Freiraumentwicklung”, und Joachim Wolschke-Bulmahn, Professor für “Geschichte der Freiraumentwicklung” am Fachbereich “Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung” der UNIVERSITÄT HANNOVER, haben seit gut 30 Jahren die problematische Nähe von Naturschützern und der Ideologie des Naturschutzes insgesamt zum Nationalsozialismus analysiert.

Die wichtigen, wegweisenden Analysen und Darstellungen Grönings/Wolschke-Bulmahns seit Anfang der 1980er Jahre, zentral mit ihren Bänden Liebe zur Landschaft, zur Ideologie und zur verbrecherischen Politik deutscher Naturschützer im Nationalsozialismus, blieben in der Forschung aber ohne größere Resonanz. Dabei war das Material, welches die beiden Forscher untersuchten, eindeutig. Deutsche Naturschützer hatten nicht nur nationalsozialistische Propaganda-Texte verfasst, sie waren auch als “Sonderbeauftragte für Landschaftsgestaltung und Landschaftspflege des Reichskommissars für die Festigung deutschen Volkstums” unter der Führung Heinrich Himmlers Schutzstaffel (SS) an Umsiedlungs-Verbrechen im besetzten Polen beteiligt wie Prof. Heinrich Friedrich Wiepking-Jürgensmann. Im “Altreich” wurde gleichzeitig von Naturschützern propagiert die “deutsche Landschaft” so zu “reinigen” wie “das deutsche Volk” auch.

Aber zurück zu Günther Schwab: Schwab setzte sich in seinen Büchern schon früh für den aktiven Umweltschutz ein (z. B. Der Tanz mit dem Teufel, 1959). Das Buch beschreibt viele drohende Umweltkatastrophen, einschließlich der anthropogenen, globalen Erwärmung. Schwab prangerte dort die drohende Natur- und Umweltzerstörung an und mahnte frühzeitig vor der Nutzung der Atomenergie. Das Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

An einer Stelle in seinem Roman, weist Schwab auf das fragile Verhältnis zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid in der Atmosphäre hin. Er nimmt an, dass dem Planet nur noch 100 Jahre bis zum Kollaps verbleiben. Schwab machte sich Sorge über den fortschreitenden, anthropogenen verursachten, CO2-Anstieg in der Atmosphäre. Dieser würde zu einer verstärkten Absorption der Wärmeabstrahlung der Erde und so zu einer Erwärmung der Erde führen. Dadurch würde das Klima wärmer, das Polareis würde schmelzen und der Meeresspiegel steigen. Als Folge würden die Kontinente überflutet.

Gleichermaßen behandelte Schwab in seinen Büchern die Atomenergie als ein Teufelswerk. Das Sammelbecken der ersten Aktivisten der Antiatombewegung im deutschsprachigen Raum (Ende der 1960er Jahre) war der von Schwab gegründete Weltbund zum Schutze des Lebens (WSL).

Auf der Grundlage der Ideale, die in seinem Buch “Der Tanz mit dem Teufel” vertreten wurden, gründete Schwab 1958 den „Weltbund zur Rettung des Lebens“ (WRL). Im Jahre 1963 wurde die Organisation in Weltbund zum Schutze des Lebens umbenannt und bald darauf in 32 Staaten aktiv. Der WSL war neben den etablierten Verbänden wie Bund Naturschutz oder Vogelschutzbund zunächst eine der einflussreichsten Umweltgruppen. Ab 1970 war der WSL eine treibende Kraft in der wachsenden Ökologiebewegung. In der Jugendarbeit setzte sich der WSL für einen Unterricht in Ökologie/Umweltschutz/Naturschutz/Lebensschutz an allen Schulen und mit Plakataktionen gegen das Rauchen ein. Gesundheitserziehung und Vollwerternährung waren weitere Schwerpunkte der Arbeit. Der WSL führte in der Zeit seines Bestehens zahlreiche Prozesse gegen Kernkraftwerke in Deutschland. Der rechtslastige, konservativ geführte WSL pflegte aber auch Beziehungen zu rechtsextremen Gruppen. Im Jahre 1985 wurde die „Sektion Deutschland“ (WSL-D) wegen rechtsradikaler Aktivitäten aus dem internationalen Verband ausgeschlossen.

Günther Schwabs Weltbund, dem er zunächst als Präsident vorstand, sowie der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Lebensschutz wurden von verschiedenen Seiten Rassismus vorgeworfen. Besonders problematisch war, dass Schwabs Roman Abenteuer am Strom eine überarbeitete Neuauflage des bereits 1935 erschienen Werks Mensch ohne Volk war. Dieses Buch erschien damals im Franz-Eher-Verlag, dem Zentralverlag der NSDAP. Das Buch weist in der 1. Auflage eindeutig völkische Tendenzen auf, die in der Neuausgabe teilweise getilgt wurden. Als problematisch ist auch seine Aussage aufzufassen, dass die moderne Zivilisation mit ihren Giften zur Degeneration der weißen Rasse führen würde.

Eine treibende Kraft in Schwabs Weltbund war Werner Georg Haverbeck, ein rechtsextremistischer deutscher Publizist, Historiker, Volkskundler und Pfarrer. Er war wie Schwab Mitglied in der NSDAP und SA. Ab August 1931 war er ununterbrochen in der Reichsleitung der NSDAP tätig. Im Auftrag von Rudolf Heß war er an der kulturellen Gestaltung des Reichsparteitags 1934 in Nürnberg beteiligt. Später, in der Zeit von 1974 bis 1982 war Haverbeck Präsident des rechten, teils rechtsradikalen Weltbundes zum Schutze des Lebens BRD e.V., zeitweise auch Präsident des Weltbundes zum Schutze des Lebens International. Haverbeck war häufig Gast der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD), die sich seit ihrem Parteitag 1973 als „Partei des Lebensschutzes verstand“ und wesentlich an der Gründung der Grünen beteiligt war.

Das ehemalige NSDAP-Mitglieder wie Baldur Springmann und Werner Vogel (obiger Wahlwerbespot der Grünen von 1980 mit “Opa Vogel” ab 0:39) oder der neu-rechte Propagandist Henning Eichberg bei der Gründung der Grünen aktiv waren, ist ebenfalls weitgehend in Vergessenheit geraten. Solche Defizite in der Forschung über Umweltbewegung und Grüne sind keine Ausnahme. Ein weiterer prominenter Fall ist der Landschaftsarchitekt Seifert. Er war seit 1934 als „Reichslandschaftsanwalt“ an der Gestaltung der neuen Autobahnen beteiligt, vorzugsweise mit heimischen Gehölzen. Er war mitverantwortlich für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau, wo viele Häftlingen aufgrund der Arbeitsbedingungen starben, während die SS biologisch-dynamische Anbaumethoden testete. Das Entnazifizierungsverfahren schloss er als Unbelasteter ab. 1950 wurde Seifert Professor und 1954/55 Ordinarius für Landschaftspflege, Straßen- und Wasserbau an der Technischen Hochschule in München und war jahrelang Vorsitzender des Bundes Naturschutz. Sein Buch „Gärtnern, Ackern – ohne Gift“ (1967) wurde mehrfach aufgelegt und galt als Bibel der ökologischen Bewegung. Im rechten Spektrum der Ökologiebewegung wird immer noch das Stereotyp verfochten, das Judentum wäre aufgrund seiner Religion grundsätzlich patriarchal und umweltfeindlich. Dazu gehört (kritisch hinterfragt) auch der Bestseller von Franz Alt über Jesus als den „ersten neuen Mann“.

Quellen

Günther Schwab

Weltbund zum Schutz des Lebens

Werner Georg Haverbeck

Der Weg zur Atomkraft

Grün-braune Liebe zur Natur

Günther Schwab

The Nazi Origins of Apocalyptic Global Warming Theory

Written by admin

Samstag, 19 Februar, 2011 um 13:49

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