klimanews

Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Grönländischer und westantarktischer Eisschild schmelzen nur halb so schnell

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Gastbeitrag von Michael Krüger, auch erschienen bei Readers Edition.

Der grönländische und der westantarktische Eisschild schmelzen nur halb so schnell, wie bisher angenommen wurde. Das zeigte jetzt ein Team aus dem Jet Propulsion Laboratory (USA), der Delft University of Technology (TU Delft, Niederlande) und dem SRON Netherlands Institute for Space Research im Fachmagazin Nature Geoscience.

Das Abschmelzen der beiden Eisschilde wurde seit 2002 mit Hilfe der beiden GRACE-Satelliten kartiert. Aus dem Weltraum erkennen sie kleine Änderungen im Gravitationsfeld der Erde. Hieraus lässt sich auf Massenveränderungen der Erde schließen, einschließlich der von Eis und Wasser. Wenn Eis schmilzt und ins Meer abfließt, so hat das einen Einfluss auf das Gravitationsfeld.

Basierend auf diesem Prinzip wurde für das grönländische Eisschild bisher ein Abschmelzen von 230 Giga-Tonnen pro Jahr (230.000 Mrd. kg) angenommen, was zu einem durchschnittlichen Anstieg im Meeresspiegel von rund 0,75 Millimeter pro Jahr führen würde. Für die Westantarktis gingen die Schätzungen bisher von 132 Giga-Tonnen pro Jahr aus.

Jetzt stellte sich heraus, dass die bisherigen Abschätzungen nicht korrekt um die isostatischen Ausgleichsbewegungen der Erdkruste korrigiert wurden. Infolge der schmelzenden Eisschilde kommt es zu Landhebungen und das seit der letzten Eiszeit, also seit rund 20.000 Jahren. Diese Bewegungen der Erdkruste müssen in die Berechnungen mit einbezogen werden, da vertikale Erdbewegungen die Masseverteilung verändern und damit auch Einfluss auf das Gravitationsfeld haben.

Forscher vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (USA), der TU Delft und dem SRON Netherlands Institute for Space Research ist diese Korrektur nun viel genauer gelungen. Dabei verwendeten und kombinierten sie Daten der GRACE-Satellitenmissionen, GPS Messungen vom Land und Druckdaten vom Meeresgrund. Die Auswertungen brachten zu Tage, dass der Meeresgrund unter Grönland schneller absinkt als bisher angenommen. Einer der Forscher, Dr. Bert Vermeersen von der TU Delft, erklärt: “Die Korrekturen zur Verformung der Erdkruste haben einen beträchtlichen Einfluss auf die Abschätzungen zur jährlich abschmelzenden Eismasse. Wir haben herausgefunden, dass der grönländische und der westantarktische Eisschild nur halb so schnell abschmelzen, wie bisher angenommen wurde.” Der durchschnittliche Anstieg des Meeresspiegels, als Folge der schmelzenden Eiskappen, ist also auch bedeutend niedriger anzusetzen.

Quellen

Greenland, West Antarctic Ice Caps Melting At Half The Speed Previously Predicted

Simultaneous estimation of global present-day water transport and glacial isostatic adjustment

Sea-level rise: Ice-sheet uncertainty

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Written by admin

Dienstag, 7 September, 2010 um 22:38

Eine Antwort

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  1. Vielen Dank für die gute Zusammenfassung. Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch, dass das ostantarktische Eis laut GRACE-Satellitenmessungen in den letzten Jahren wohl konstant geblieben ist.

    Siehe Abbildung 1 auf http://www.klimaargumente.de/e1.htm

    Sebastian Lüning

    Freitag, 10 September, 2010 at 20:27


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