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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

“Mike’s Nature trick”, oder wie bastele ich mir einen Hockey-Stick

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Gastbeitrag von Michael Krüger

Auch erschienen bei Readers Edition

Sonntag, den 29. November 2009 um 23:11 Uhr von Michael Krüger
Wie “Mike’s Nature trick” funktioniert wurde hier bereits ausführlich erklärt. Die Bezeichnung “Mike’s Nature trick” geht auf Michael Mann, den Schöpfer der Hockey-Stick-Kurve zurück. (Eine in die Kritik geratene Klimakurve, welche der Form nach einem Hockeyschläger ähnelt und die Mittelalterliche Warmzeit verschwinden lässt. Sie wurde 1999 in Nature veröffentlicht.)

Der “Trick”

Die meisten Temperaturrekonstruktionen reichen nicht bis in die Gegenwart, obwohl eine Rekonstruktion bis in die Gegenwart hinein in den meisten Fällen möglich wäre. Das hat einen triftigen Grund. Um Differenzen zwischen den rekonstruierten Werten und den Messwerten von Wetterstationen zu vermeiden, schneidet man die Rekonstruktion einfach an der Stelle ab, ab der eine deutliche Abweichung zu den Werten der Wetterstationen auftritt. Die abgeschnittenen Werte werden schließlich durch die Werte der Wetterstationen ersetzt, bzw. durch diese “ergänzt”.

Beispiele

Die Hockeyschlägerkurve von Michael Mann aus dem Jahre 1998 (bzw. 1999) reicht z.B. nur bis ins Jahr 1980, obwohl einige Datensätze durchaus bis in die 1980er Jahre reichen. Mann schreibt in seiner Veröffentlichung von 1998 dazu: “(the training interval is terminated at 1980 because many of the proxy series terminate at or shortly after 1980)”. Der “Trick” des Abschneidens und Ersetzens scheint laut einer E-Mail von Phil Jones (Direktor der britischen Climate Research Unit (CRU)) bei den Daten des umstrittenen Hockeyschlägers ab 1981 angewendet worden zu sein. “I’ve just completed Mike’s Nature trick of adding in the real temps to each series for the last 20 years (ie from 1981 onwards) amd from 1961 for Keith’s to hide the decline.”

Eine andere Temperaturkurve, bei der ebenfalls dieser “Trick” angewendet wurde, stammt von Keith Briffa (CRU). Die Briffa-Rekonstruktion aus dem Jahre 1998 (sowie 2000, 2001) reicht nur bis ins Jahr 1960, obwohl die rekonstruierten Daten eigentlich von 1402-1995 reichen. In einer internen Mail wird das wie folgt begründet: “The data are attached to this e-mail. They go from 1402 to 1995, although we usually stop the series in 1960 because of the recent non-temperature signal that is superimposed on the tree-ring data that we use.”

Was gemacht wurde

Mann Hockey-Stick

In der Mann-Hockeyschlägerkurve enden die rekonstruierten Werte im Jahre 1980 und werden durch Messwerte von Wetterstationen (rot, 1902-1998) “ergänzt”.

Ursprüngliche Briffa-Rekonstruktion

Abgeänderte Briffa-Rekonstruktion

Überblendung Briffa-Rekonstruktion

In der Briffa-Rekonstuktion enden die Werte im Jahre 1960. (Gezeigt werden hier die ungeglätteten Jahreswerte aus der Veröffentlichung von 2001). Die Jahre 1961-1994 wurden entfernt (rot) und durch Messwerte von Wetterstationen (grün, 1871-1997) “ergänzt”. Dieser “Trick” wurde angewandt, um den Temperaturabfall am Ende der Rekonstruktion zu verstecken und die Diskrepanz mit den Messwerten der Wetterstationen zu verbergen, also “to hide the decline”.

Manipulierte Klimakurven in den Weltklimaberichten

Das heikle an der Geschichte, (im Wissen der praktizierten Methode) haben sowohl die Hockeyschlägerkurve von Mann, als auch die Briffa-Rekonstruktion Einzug in den 3. und 4. Weltklimabericht des IPCC genommen. Mehr noch, diese Rekonstruktionen stehen für den Menschen gemachten Klimawandel.

Im 3. Weltklimabericht von 2001 ist die Briffa-Rekonstruktion unter “Briffa, 2000″ (u.a. in Abbildung 2.21) zu finden. Die Hockeyschlägerkurve von Mann findet sich in selber Abbildung unter “Mann et al., 1999″ wieder.

Im 4. Weltklimabericht von 2007 ist die Briffa-Rekonstruktion unter “BOS..2001″ (u.a. in Abbildung 6.10.b) zu finden. Die Hockeyschlägerkurve von Mann findet sich in selber Abbildung unter “MBH 1999″ wieder. “Ergänzt” werden die abgeschnittenen Rekonstruktionen dabei jeweils um die Messwerte von Wetterstationen.

Verantwortlich für diese Darstellung und Präsentation im letzten Weltklimabericht des IPCC sind u.a. die Leitautoren Stefan Rahmstorf und Keith Briffa selbst.

Stefan Rahmstorf sagt, auf dem Inhalt der gehackten Mails hin angesprochen: “Die Korrespondenz zeigt zum Beispiel die lebendige, kontroverse, aber sachliche Diskussion darüber, wie man die publizierte Fachliteratur am besten für den IPCC-Bericht zusammenfasst.”

Mein Fazit

Weder die Mann- noch die Briffa-Rekonstruktion können das Klima der letzten Jahrzehnte richtig abbilden, daher zieht man es vor die Daten abzuschneiden und durch Messwerte von Wetterstationen zu ersetzen. Wenn es in den Rekonstruktionen nicht einmal gelingt das Klima der Gegenwart richtig abzubilden, warum sollten die gleichen Rekonstruktionen dann das Klima der Vergangenheit richtig abbilden?

Eine neutrale und zusammenfassende Darstellung erfordert unabhängige und neutrale Gutachter. Wenn die Leitautoren auf ihre eigenen Arbeiten zurückgreifen und wissentlich die Diskrepanzen verschweigen, dann ist diese Neutralität und Transparent jedenfalls nicht mehr gewährt.

Written by admin

Dienstag, 8 Dezember, 2009 um 11:15

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