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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Archiv für November 11th, 2009

1972 – Ein Klimawissenschaftler verursacht Eiszeitstimmung im Weißen Haus

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Gastbeitrag von Michael Krüger


Dienstag, den 10. November 2009 um 17:13 Uhr von Michael Krüger
George Kukla

Die Geschichte beginnt im Jahre 1972 mit einer wissenschaftlichen Konferenz, einem Schreiben an das Weiße Haus und endet in einem nationalen Klimaprogramm.

Schlüsselfigur dieser Geschichte ist George Kukla.

Zur Person

George Kukla, ist ein in der Tschechei geborener “Klimatologe”. Er war Mitglied der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften und ist emeritierter Professor für Klimatologie an der Columbia University und Forscher am Lamont-Doherty Earth Observatory. Er war einer der führenden und meist gefragten Klimaforscher seiner Zeit, hat zahlreiche Fachpublikationen vorzuweisen und wurde vielfach in der Presse zitiert. [1] [2] [3]

Die Konferenz der 42 Top-Forscher

Im Januar 1972 kamen Georg Kukla und Robert Matthews (Brown University) zu einer Konferenz in der Brown University in Providence/ Rode Island zusammen. Teilgenommen haben 42 der damaligen Top-Forscher aus Europa und Amerika. Diskussionsthema war “The Present Interglacial, How and When will it End?” (”Die aktuelle Warmzeit, wie und wann wird sie enden?”). Die Schlussfolgerungen wurden in zwei Veröffentlichungen von 1972 zusammengefasst. [4] [5]

Das Schreiben an das Weiße Haus

Die Hauptergebnisse der Konferenz teilen Kukla und Matthews dem Büro des US-Präsidenten Nixon im folgenden Schreiben vom 3. Dezember 1972 mit:

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In dem Schreiben warnen Sie vor einer drohenden Eiszeit und deren Auswirkungen.

“Sehr geehrter Mr. Präsident:

In Bewusstsein, Ihrer tiefen Besorgnis über die Zukunft der Welt, fühlen wir uns verpflichtet, Sie über die Ergebnisse der wissenschaftlichen Konferenz zu informieren, die hier vor kurzem stattgefunden hat. Die Konferenz befasste sich mit den bisherigen und zukünftigen Veränderungen des Klimas, teilgenommen haben 42 Top-Forscher aus Amerika und Europa. Anliegend fügen wir die Schlussfolgerungen, welche bereits in SCIENCE erschienen sind und in Kürze in QUATERNARY RESEARCH erscheinen werden, bei.

Das wichtigste Ergebnis des Treffens war, dass eine globale Verschlechterung des Klimas, von der Größenordnung größer als alle bisher von den zivilisierten Menschheit erlebten, eine sehr reale Möglichkeit ist, die wohlmöglich sehr schnell eintreten kann.

Die Kühlung ist natürlichen Ursprungs und fällt in den Rang von Prozessen, welche die letzte Eiszeit verursacht haben. Dies ist ein überraschendes Ergebnis, welches vor allem auf die jüngsten Studien von Tiefsee-Sedimenten hervorgeht.

Die vorliegenden Daten erlauben bisher keine exakte Vorhersage bzgl. des Eintretens der vorhergesagten Entwicklung, noch eine Beurteilung der Beeinträchtigungen auf die Menschheit, durch den natürlichen Trend. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Abkühlung, welche gerade auf der Nordhalbkugel im Gange ist, der Beginn der erwarteten Klimaumstellung ist. Die aktuelle Rate der Abkühlung scheint schnell genug von statten zu gehen, um eiszeitliche Temperaturen innerhalb eines Jahrhunderts mit sich zu bringen, bei Fortsetzung der gegenwärtigen Geschwindigkeit.

Die praktischen Konsequenzen, die sich daraus für die existierenden sozialen Systeme ergeben, sind unter anderem:

(1) Eine deutlich gesenkte Nahrungsmittelproduktion aufgrund der kürzeren Vegetationsperioden und einer veränderten Niederschlagsverteilung in den wichtigsten Getreideerzeugungsgebieten der Welt, mit Osteuropa und Zentralasien die als erste betroffen sein werden.

(2) Eine erhöhte Häufigkeit und ein stärkeres Auftreten von extremen Wetterereignissen und -anomalien, wie Überschwemmungen, Schneestürme, Tote durch Frostperioden, etc. …”

Die Folgen

Das Schreiben erregte reichlich Aufsehen.

Angesichts der “Getreidekrise” im Jahre 1972 und zahlreicher Wetterkapriolen, welche später auf den El Niño von 1972-1973 zurückgeführt wurden, herrschte eine kollektive Angstsituation, auch im Weißen Haus.

Das Weiße Haus nahm die Angelegenheit sehr ernst und leitete das Kukla-Matthews-Schreiben an das Amt für internationale wissenschaftliche und technische Angelegenheiten des State Departments weiter. (Bureau of International Scientific and Technological Affairs of the State Department). Das wiederum leitete das Schreiben an die höchst beauftragte, ressortübergreifende Stelle, das Interdepartmental Committee for Atmospheric Sciences (ICAS) weiter, um die Angelegenheit “zu überprüfen und geeignete Maßnahmen” einleiten zu können. Das ICAS stellte daraufhin ein Ad-hoc-Gremium zusammen, um auf das Schreiben zu antworten. Darin vertreten waren Dr. David M. Hirschfield ((Chair) Department of Agriculture), Mr. Joseph O. Fletcher (National Science Foundation), Dr. J. Murray Mitchell, Jr. (National Oceanic and Atmospheric Administration), Col. John S. Perry (Department of Defense).

Das folgende Jahr war ein besonders arbeitsreiches, da das Gremium Rat von Experten auf dem Gebiet einholte. Letztendlich kam man zu dem Schluss, dass das Thema von so einer übergeordneten Bedeutung ist, dass man ein nationales Klimaprogramm ins Leben rufen sollte, was dann letztendlich auch geschah.

Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen [6] [7] [8] [9]

Der Initiator

George Kukla war der Meinung und ist es heute noch, dass allen Eiszeiten in der Erdgeschichte eine globale Erwärmung voraus ging und das globale Klima in Zyklen verläuft. Die langen Zyklen sind die Erdbahn abhängigen Milankovich-Zyklen. Ihr Zyklus von etwa 100.000 Jahren deckt sich gut mit der Periodizität der Eiszeiten. Zwischen den Eiszeiten liegen die sog. interglazialen Warmzeiten. Das Holozän ist nur eine weitere Warmzeit, das mehr als die Hälfte überschritten ist, sagt Kukla. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis das neue Eiszeitalter starten wird. Die kurzen Zyklen verlaufen im Abstand von 60 bis 80 Jahren, in der einen Hälfte geht es aufwärts und in der andren wieder abwärts. Diesbezüglich sollten wir beobachten, wie sich El Niño und La Niña, eine Temperaturanomalie im tropischen Opstpazifik, entwickeln werden. Er vertritt die Ansicht, dass die jüngste Erwärmung der Erde überwiegend natürlich ist und letztendlich in einer neuen Eiszeit enden wird. [9]

In einem Interview von 2007 sagt er [10]:

“Der Mensch ist nur für einen Teil der globalen Erwärmung verantwortlich, der überwiegende Teil ist natürlich.”

“Das Einzige, worüber man sich bei der globalen Erwärmung Sorgen machen sollte ist der Schaden, welcher durch die Sorge angerichtet werden kann. Warum sind einige Wissenschaftler besorgt? Vielleicht weil sie spüren, dass das Ende der Besorgnis ein Ende der Bezahlung bedeuten kann.”

Quellverzeichnis

[1] VIDEO: George Kukla in „The Weather Machine“ BBC 1974

[2] Newsweek, 28 April 1975, The Cooling World

[3] New York Times, 21 Mai 1975. Scientists Ask Why World Climate Is Changing; Major Cooling May Be Ahead

[4] Kukla, G. J., and R. K. Matthews, 1972, „When will the present interglacial end?,“ Science, 178:190-191

[5] G. Kukla, R.K. Matthews and J.M. Mitchell, Jr., The end of the present interglacial. Quaternary Research 2 (1972), pp. 261–269

[6] Origins of a ‘diagnostics climate center’. Robert W. Reeves and Daphne Gemmill

[7] Global Cooling and the Cold War – And a Chilly Beginning for the United States’ Climate Analysis Center? Robert W. Reeves, Daphne Gemmill, Robert E. Livezey, and James Laver. U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, National Weather Service

[8] The Deniers, Part XXVII: Forget warming – beware the new ice age. Lawrence Solomon, 15 Jun 2007

[9] klimanews. Der Globale-Cooling-Konsens der 1970er Jahre, alles nur ein Mythos?

[10] Gelf magazine, April 24, 2007. An Unrepentant Prognosticator. Climatologist George Kukla still believes an ice age is likely.

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Mittwoch, 11 November, 2009 at 12:27

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Großer Schritt zurück

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Zögerliche Geowissenschaftler bremsen die Klimapolitik – ausgerechnet vor Kopenhagen

Was die Chefs großer deutscher Geoinstitute in der vergangenen Woche in Berlin präsentierten, erinnerte an die Klimadiskussion vor zehn Jahren. Es schien, als hätten wir einen großen Schritt zurück gemacht. Die Tagung „Klima im System Erde – Antworten und Fragen aus den Geowissenschaften“ lieferte nämlich kaum Antworten, dafür umso mehr Fragen sowie heftige Kritik an der politischen Fokussierung auf die Reduktion des Kohlendioxid(CO2)-Ausstoßes. So warf Reinhard Hüttl vom Geoforschungszentrum Potsdam den Klimaforschern mehr oder weniger deutlich Alarmismus vor, jedoch ohne klare Belege dafür zu bringen.

Viele Zusammenhänge im Klimageschehen seien noch nicht wissenschaftlich verstanden, natürliche Faktoren müssten stärker berücksichtigt werden, hieß es auf der Konferenz, die auch von der Alfred-Wegener-Stiftung Bremerhaven und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt/Main unterstützt wurde. Den Zuhörern wurden Plattentektonik, Landhebungen nach der Eiszeit, kosmische Strahlung, ja selbst das Erdmagnetfeld als klimarelevant dargestellt.

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Written by admin

Mittwoch, 11 November, 2009 at 12:16

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

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