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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Beschleunigt sich der globale Meeresspiegelanstieg?

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Aktuell ist wieder eine hitzige Debatte darüber entbrannt, ob sich der globale Meeresspiegelanstieg beschleunigt, oder verlangsamt.

Siehe hier

Welche Aussage ist nun richtig?

Zunächst habe ich mir die Pegeldaten und Satellitendaten, auf welche auch das IPCC zurückgreift, besorgt und einen Plot erstellt.

Die Folgende Abbildung zeigt eine Zusammenstellung zum globalen Meeresspiegelanstieg, aus Pegeldaten ab 1870 (IPCC-Bericht 2007, Daten nach Church & White 2006) und Satellitendaten ab 1992 (TOPEX/Poseidon (1992-2002), Jason-1 (2002-2008)). Die Satellitendaten ab 1992 wurden mit den Pegeldaten von 1992 auf eine gemeinsame Basis gebracht. Gezeigt wird der globale Meeresspiegelanstieg seit 1870 in cm.

meeresspiegelanstieg-1870-2008-534-x-455

Vergrößerung: Kick

Die Daten am Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. sind noch mit einer großen Unsicherheit behaftet (u.a. aufgrund der geringen Stationsdichte und der Variabilität der einzelnen Pegel). Mit der Zeit erhöht sich die Stationsdichte und Stationszahl. Zwischen 1870 und 1925-30 ist der Meeresspiegel um etwa 4 cm angestiegen. Um 1925 zeigt sich ein Knick nach oben. Im Zeitraum zwischen 1925 und 2008 steigt der Meeresspiegel um weitere ca. 17 cm an. Das entspricht einem mittleren Anstiegsverhalten von 0,2 cm pro Jahr, oder 2 cm pro Jahrzehnt. (Die schwarze Linie).

Abweichungen nach oben und unten zeigen sich Ende der 1950er Jahre und Mitte der 1980er Jahre. Ein beschleunigter Anstieg, mit dem Einsetzen des Hauptteils der globalen Erwärmung in den 1970er Jahren, ist nicht zu erkennen.

Greife ich auf die Pegeldaten von Holgate 2007 zurück, so zeigt sich ein anderes Bild. Der globale Pegel wurde hier anhand der kontinuierlichen Messungen von 9 Pegelstationen, welche rund um den Erdball verteilt liegen, erstellt.

sealevel-holgate-2007

In der ersten Hälfte des 20. Jh. (von 1904-1953) erfolgt der Anstieg mit einer leicht höheren Rate (~0,203 cm pro Jahr) und nimmt in der zweiten Hälfte des 20. Jh. (von 1954-2003) ab (auf ~0,145 cm pro Jahr). Der mittlere Anstieg im 20 Jh. beläuft sich auf ~0,174 cm pro Jahr, also ca. 17 cm.

Poster von Holgate

Fazit:

  • Sowohl in den vom IPCC verwendeten Daten (Pegeldaten von Church & White 2006 und Satellitendaten ab 1992), als auch in den von Holgate 2007 veröffentlichten Daten, findet kein beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels in der zweiten Hälfte des 20. Jh. statt.
  • Ende des 20 Jh. und Anfang des 21. Jh. ist kein beschleunigter Anstieg gegenüber den 1980er Jahren zu verzeichnen.
  • Ab 2006 ist eine weitere Abflachung in den Satellitendaten zu erkennen.

UPDATE 23.03.2008:

Einen weiteren Datensatz zum globalen Meeresspiegelanstieg stellen Jevrejeva, Grinsted, Moore, Holgate, 2006 bereit. Die Pegeldaten reichen von 1807 bis 2002. Die Folgende Abbildung zeigt eine Zusammenstellung zum globalen Meeresspiegelanstieg, aus Pegeldaten ab 1807 (nach Jevrejeva et al. 2006) und Satellitendaten ab 1992 (TOPEX/Poseidon (1992-2002), Jason-1 (2002-2008)). Die Satellitendaten ab 1992 wurden mit den Pegeldaten von 1992 auf eine gemeinsame Basis gebracht. Gezeigt wird der globale Meeresspiegelanstieg seit 1807 in cm.

meeresspiegelanstieg-1807-2008-534-x-462

Vergrößerung: Klick

Die Daten im 19. und Anfang des 20. Jh. sind noch mit einer großen Unsicherheit behaftet (u.a. aufgrund der geringen Stationsdichte und der Variabilität der einzelnen Pegel). Mit der Zeit erhöht sich die Stationsdichte und Stationszahl. Kommend aus dem Dalton Minimum (von ca. 1790-1830), der sog. Kleinen Eiszeit, zeigt sich bis ca. 1860 ein fallender Meeresspiegel. Ab 1860 beginnt der Meeresspiegel stark zu steigen. Anfang des 20. Jh. flacht der Anstieg ab. Um 1925 zeigt sich ein Knick nach oben. Im Zeitraum zwischen 1925 und 2008 steigt der Meeresspiegel um weitere ca. 17 cm an. Das entspricht einem mittleren Anstiegsverhalten von 0,2 cm pro Jahr, oder 2 cm pro Jahrzehnt. (Die schwarze Linie).

Die Satellitendaten ab 1992 wurden mit den Pegeldaten von 1992 auf eine gemeinsame Basis gebracht. Es zeigt sich ein deutlicher Offset zwischen den beiden Datensätzen. Die Pegeldaten steigen zunächst schneller als die Satellitendaten an, die Datensätze laufen aber um das Jahr 2000 wieder zusammen.

Jevrejeva et al. kommen zu dem Schluss, dass der Anstieg im Zeitraum 1993-2000 nicht außergewöhnlich ist. Die Pegeldaten und Satellitendaten zwischen 1993-2000 zeigen einen ähnlich großen Anstieg, wie er schon im Zeitraum zwischen 1920-1945 stattgefunden hat. Einen Großteil der Schwankungen im Meeresspiegelanstieg führen sie auf eine steigende Variabilität des Klimasystems zurück.

Anlage: Die neuste Veröffentlichung von Jevrejeva et al.

Recent global sea level acceleration started over 200 years ago?

Daten

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Written by admin

Sonntag, 22 März, 2009 um 16:05

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

9 Antworten

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  1. Hallo Müller,

    sehr guter Artikel mal wieder.

    Auch wenn einige Leute in Potsdam die Situation aktuell etwas anders beurteilen. Ungeachtet der Datenlage spricht Rahmstorf von einem beschleunigten Meeresspiegelanstieg. Die Begründung will mir aber irgendwie nicht einleuchten…

    http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/klimadaten/2009-03-20/meeresspiegel-irrungen

    Beste Grüße,
    Rainer

    Rainer

    Sonntag, 22 März, 2009 at 22:04

  2. Nun ja, wenn ich den Blick auf den Zeitraum seit 1992 fokussiere (der blaue Teil der Kurve – Satellitendaten ab 1992 (TOPEX/Poseidon (1992-2002), Jason-1 (2002-2008), dann scheint mir der durchschnittliche Anstieg schon leicht stärker zu sein gegenüber dem langfristigen Trend 1925 – 2008.

    Je nach den Absichten, die man verfolgt, erlaubt die IPCC-Grafik unterschiedliche Interpretationen. Man könnte sich den Zeitraum 1950-2008 herauspicken, dann liegt der Anstieg unauffällig im Trend. Oder den Zeitraum 1960-1990 – dann ist der Anstieg geringer. (rein optisch abgeschätzt).

    Das nun der letzte Teil der Kurve einen etwas stärkeren Anstieg aufweist, ist natürlich ein gefundenes Fressen für unseren klimahysterischen Freund aus Potsdam: Meeresspiegel-Irrungen

    Seine Auftakt-Frage „beschleunigt sich der Anstieg des Meeresspiegels, oder beschleunigt er sich nicht?“ ist nicht wirklich ernst gemeint. Sie dient R. aus P. wie nicht anders zu erwarten als Auftakt zur sogleich im Befehlston erteilten Antwort: „Eine Beschleunigung des Anstiegs steht damit außer Frage lediglich über die Ursachen könnte man noch diskutieren, also über die Frage, ob dies an der globalen Erwärmung liegt.“

    (Jawoll Herr Professor, zu Befehl Herr Professor. Ich denke nur noch über das nach, was Sie gestatten Herr Professor)

    Nimmt man die Frage ernst – was der werte Herr natürlich keinesfalls will – dann ist sie ganz anders zu beantworten: ES KOMMT NÄMLICH DARAUF AN! Es kommt darauf an a) welchen Zeitraum man betrachtet und b) auf welchen Referenzzeitraum man sich bezieht. Der werte Herr Professor möchte aber aus naheliegenden Gründen keinen anderen Zeitraum neben dem von 1992-2008 gelten lassen.

    Die Feststellung eines beschleunigt steigenden Meeresspiegels ist nur dann richtig, wenn man sie auf den letzten Abschnitt bezieht. Und R. aus P. verschwiegt natürlich, dass man aus JEDER derartigen Darstellung steilere und weniger steile Abschnitte herausextrahieren kann – man muss es nur geschickt genug anstellen.

    Wenn man also die IPCC-Kurve näher untersucht, dann sind unterschiedliche Abschnitte erkennbar, in denen der Meeresspiegel mal etwas mehr, mal etwas weniger stark ansteigt. Im Moment steigt der Meeresspiegel nun mal wieder etwas mehr. Wobei sich dieser geringfügig stärkere Anstieg die übliche Schwankungsbreite nicht zu übersteigen scheint. Es gibt imho also keinen erkennbaren Grund, wieso man darüber in Alarmismus verfallen müsste.

    Was R. aus P. also mit seinem Artikel bezweckt ist das übliche. Alarmstimmung schüren, und damit den Boden bereiten für möglichst viele frische Forschungsgelder für weitere tendenziöse Forschungsprojekte.

    multiverus

    Montag, 23 März, 2009 at 03:19

  3. Dies sei der Klarheit geschuldet:
    in meinem vorigen Beitrag habe ich die IPCC-Pegeldaten der Einfachheit halber als nicht zu hinterfragenden Fakt betrachtet. Die Holgate-Daten belegen, dass dies nicht so sein muss.

    multiverus

    Montag, 23 März, 2009 at 03:35

  4. @Herr Müller

    Dass sie diesen alarmistischen Kram überhaupt noch lesen ist schon bewundernswert. Der Anstieg des Meeresspiegels nach der kleinen Eiszeit dürfte nun wirklich niemanden überraschen.

    Aber sehen wir mal was der Spezialist sagt:

    http://www.pol.ac.uk/psmsl/puscience/#5

    „8. I want to buy a house by the sea. I have heard about climate change and I want to ask, is this a sensible thing to do?

    It is probably as sensible as it would be without climate change, given the ferocity of winter storms in many places even in ’normal‘ times. The rise of 50 cm projected for the next 100 years is expected to occur mostly in the second half of the next century. Consequently, rises of level for the next 20-30 years (your remaining lifetime) can be expected to be similar to those for the past 30 years (of order 10 cm). You should enquire from your local authorities what their policy is for coastal protection in your area, taking into consideration the potential sea level changes in the future. If coastal protection is not adequate already, climate change may make the problem worse.“

    Und so wird es auch für die 30 Jahre danach sein, und die 30 Jahre danach usw… usf…

    Klimalarmismus zerstört bloss den gesunden Menschenverstand.

    Liebe Grüsse
    Eddy

    Eddy

    Montag, 23 März, 2009 at 07:54

  5. @Mueller
    Wunderbar. Das Update von 23.3. verstärkt die Annahme deutlich, dass die reklamierte Beschleunigung der Meeresspiegelerhöhung nichts als eine Luftnummer auf Basis tendenziös interpretierter Daten ist. Eigentlich kaum überraschend.

    multiverus

    Mittwoch, 25 März, 2009 at 01:44

  6. Pierre Gosselin verwechselt mal wieder Klima mit Wetter. Ich finde es immer wieder amüsant, wie Klima-„Skeptiker“ bei ungewöhnlich hohen Temperaturen und sonstigen Wetterkapriolen, die auf eine zunehmende Erwärmung deuten lassen, darauf beharren, dass das selbstverständlich nur ganz normale Wetterschwankungen seien, bei gegenteiligem Verlauf aber sofiort verlauten lassen, dass das ein Gegenbeweis zur globalen Erwärmung sei. MAn bastelt sdich die Realität halt so, wie man sie haben möchte.

    Mit der Diskussion um den Meeresspiegelanstieg scheint es ähnlich zu sein. Ob der Meeresspiegel nun ein wenig schneller oder langsamer ansteigt, ist m. E. zweitrangig. Wesentlich ist doch die von niemandem bestrittene Tatsache, dass er überhaupt noch ansteigt. Der lapidare Hinweis auf das „Ende der kleinen Eiszeit“ ist da ein wenig dürftig. Oder ist es wieder einmal die Sonne? :-)

    nachdenklich

    Samstag, 28 März, 2009 at 10:27

  7. Ebbe bei den Argumenten

    @Nachdenklich

    Also mit der Sonne könntest Du Recht haben, Ebbe und Flut haben ja wohl auch nichts mit C02 zu tun (soweit bisher erforscht).
    ;)

    Simon Grünland

    Samstag, 28 März, 2009 at 11:25

  8. Nachdenklich,
    bitte tun Sie, was Sie im Namen vorgeben zu tun, aber offenbar unterlassen.
    Es gibt tausend Gründe am Klimahype zu zweifeln (etwa die Tatsache, dass der Eisbar nicht ausstirbt sondern sich bestens vermehrt. Oder die Tatsache, dass das Klima nicht außer Kontrolle geraten ist, weil wir es nie unter Kontrolle hatten) und einen einzigen daran zu glauben: Subventionsmilliarden (allein die EU fordert, dass bis 2020 Jahr für Jahr 175 Mrd. EURO in so genannte Klimaschutzmaßnahmen fließen sollen; macht 11 mal 175 Mrd. also rund 2 Billionen Euro.) Wer also ist hier gekauft??? Da sollten Sie mal echt Nachdenklich werden ;-)

    Iceager

    Sonntag, 29 März, 2009 at 17:28


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