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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Vom Polarwind verweht?

with 10 comments

Seit Jahren rätseln Forscher, warum die Eisbedeckung des Meeres am Nordpol zurückgeht. Neben dem Klimawandel spielt offenbar der Wind eine wichtige Rolle.

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… Daten aus der Vergangenheit zeigen, dass das Klima der Arktis höchst variabel ist. Im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts etwa ließ eine bislang unerklärliche Wärmephase das Meereis fast so stark schrumpfen wie derzeit…

Neue Daten zeigen, dass der Wind eine große Rolle spielt. Der Rekord-Rückgang der beiden vergangenen Sommer sei etwa zur Hälfte darauf zurückzuführen, dass Wind das Eis aus der Arktis getrieben habe, berichten Polarforscher um Frank Kauker vom AWI im Fachblatt Geophysical Research Letters. Die Temperatur im Spätsommer habe sich lediglich „zu 20 Prozent“ ausgewirkt…

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Written by admin

Dienstag, 24 Februar, 2009 um 14:49

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

10 Antworten

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  1. In den beiden Jahren 2007 und 2008 (mit den beiden Meereisminima)hintereinander (!) trat über der Nordhalbkugel eine ansonsten eher ungewöhnliche Anomalie in der Luftzirkulation (Hoch über Kanada, Tief über Sibirien) auf, welche grössere Mengen Warmluft in die Arktis transportierte und gleichzeitig das Meereis abtrieb.Soweit so gut. Es bleibt jedoch die Frage: Haben diese Zirkulationsanomalien selbst etwas mit dem Klimawandel zu tun. Sind sie ein Vorzeichen eines Umkippens der Zirkulation im Klimasystem?

    Gruß
    Jens Christian Heuer http://wetterjournal.wordpress.com

    jenschristianheuer

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 01:04

  2. Ob das Trendwenden oder normale Fluktuationen sind, könnte man wohl nur beantworten, wenn man Daten von Wind und Eis über Jahrhunderten hätte.

    CK42

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 06:58

  3. @Jenschristianheuer

    „Es bleibt jedoch die Frage: Haben diese Zirkulationsanomalien selbst etwas mit dem Klimawandel zu tun. Sind sie ein Vorzeichen eines Umkippens der Zirkulation im Klimasystem?“

    „In der anschliessenden Diskussion äusserte ich den Verdacht das die anormale Luftdruckverteilung (Zirkulationsanomalie) in zwei aufeinander folgenden Jahren vielleicht selbst eine Folge des Klimawandels sein könne und möglicherweise auf eine grundlegende Veränderung im arktischenKlimasystem hinweisen könne. Der Referent meinte, dies sei durchaus möglich, genauere Untersuchungen dazu gäbe es aber bisher nicht.“

    Das ist das Problem, dass selbst die Experten nichts Genaues wissen. Zum Grönlandeis gibt es sogar Studien, die Gegenteiliges annehmen, nämlich eine Stabilisierung.

    https://klimakatastrophe.wordpress.com/2009/02/03/werden-sich-gronlands-gletscher-bald-stabilisieren/

    Auch in der Eem-Warmzeit, in der Warmzeit des Holozän, in der Warmzeit der Römer und in der Warmzeit des Mittelalters kam es zu einer solchen Stabilisierung, wobei die Arktis im Eem, vor rund 120.000 Jahren, um 3-5°C wärmer war als heute. Ich denke daher, dass zum Umkippen noch einiges nötig ist.

    Das die Zirkulationsmuster in der Atmosphäre sich mit dem Klima ändern ist hingegen eindeutig. Selbes wird auch in der Antarktis beobachtet. Dort nimmt die Westwinddrift zu und hat es auch schon in früheren Zeiten getan.

    http://www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/296/5569/895

    http://www.nature.com/nature/journal/v451/n7176/full/nature06590.html

    Über die Ursachen des Klimawandels sagt das allerdings nichts aus.

    Müller

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 10:49

  4. @Jenschristianheuer P.S.

    „Paradoxerweise könnten wir jedoch trotz – oder besser: wegen – der globalen Erwärmung auf eine Periode weiterer trockener und kalter Winter zusteuern. Dies jedenfalls zeigte eine 2006 veröffentlichte Studie. Ihr Hauptautor ist der Physiker Klaus Dethloff, der in der Außenstelle Potsdam des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes forscht. Mit einigen Kollegen analysierte er mittels eines speziellen Klimamodells den Einfluss der Arktis auf das Klima Europas. Der entscheidende Faktor dafür ist das Rückstrahlvermögen der Erdoberfläche für Sonnenstrahlung, die sogenannte Albedo.

    Positive Rückkopplung

    Weiße Eisflächen besitzen eine hohe Albedo, sie strahlen einen Großteil des einfallenden Sonnenlichts ins All. Eisbedeckte Flächen erwärmen sich daher deutlich weniger als offene Böden oder Meeresgebiete. Lässt die globale Erwärmung die Eisbedeckung schrumpfen, sinkt die Albedo und verstärkt damit die Erwärmung weiter. Klimatologen sprechen von einer positiven Rückkopplung.

    Dethloffs Modellrechnungen zeigten, dass eine Verringerung der Eisdecke zu einer Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis führt. Dadurch wird die NAO beeinflusst, was sich wiederum auf die Stärke der Westwinde und den Verlauf von Stürmen auswirkt. Werden sie wie in der Studie prognostiziert schwächer, häufen sich kalte und trockene Winter. Noch aber kann kein Klimaforscher sagen, ob der jetzige Frostwinter bereits eine Folge dieses Prozesses ist.“

    http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/klima/tid-13441/strenger-winter-runde-zwei-im-klimastreit_aid_372798.html

    Interessanterweise ist das genau das Gegenteil davon, was in der Antarktis beobachtet wird. In der Antarktis verstärkt sich der Polarwirbel und die Westwinddrift, in der Arktis sollen sich Polarwirbel, NAO und Westwinddrift abschwächen.

    Müller

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 10:59

  5. Die Frage wie Wind und Zirkulationsstörungen die „Globale Erwärmung“ beeinflussen beschäftigte schon die Forscher der 1930er Jahre, als es um die Erwärmung der Arktis seit ca. 1920 ging. R. Scherhag meinte, das dies auf erhöhte Zirkulation zurückzuführen sei (s.u.- PS) Darauf erwiderte C.E.P. Brooks: das verschiebt nur das Problem auf eine andere Stufe, denn dann müsse man erklären, warum es zu der Zirkulationsstörung gekommen sei. (s.u.-PS). Wer Brooks Frage beantwortet, könnte vielleicht auch die derzeitigen Ereignisse besser beantworten.
    Dazu mehr in dem Papier: Lässt sich die plötzliche Erwärmung der Arktis vor 90 Jahren erklären? Der dramatische Temperaturanstieg auf Spitzbergen im Winter 1918/19!, unter: http://www.arctic-warming.com/cpge.php

    PS:
    “The greater mildness of winters observable in the temperate zone during the last hundred years, accompanied by an increase in atmospheric circulation, has, during the last fifteen years, led to an extraordinary rise in temperature in the arctic regions, which in its turn has been accompanied by a corresponding retreat if the ice and a higher temperature in the sea. (Scherhag, R. (1937); ‚Die Erwärmung der Arktis’, in: Cons. Intern. Expl. Mer. Rap. Proc.- Verb., Copenhagen, Vol. 12, p. 263-276.)

    In 1938 Brooks asked the right question, which neither Scherhag, nor modern science has answered yet:

    “Attributing the recent period of warm winters to an increase in the strength of the atmospheric circulation only pushes the problem one stage further back, for we should still have to account for the change of circulation.” (Brooks, C.E.P. (1938), “The Warming Arctic”, The Meteorological Magazine, p.29-32.)

    ab

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 11:00

  6. @Jenschristianheuer P.P.S.

    Auch dieses Paper beschreibt sehr schön, wie sich das Klimasystem in der Arktis ändert.

    Variability of the Intermediate Atlantic Water of the Arctic Ocean over the Last 100 Years, Polyakov et. al. 2004, Journal of Climate

    http://www.frontier.iarc.uaf.edu:8080/~igor/research/pdf/polyakov.etal.2004.pdf

    Müller

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 11:18

  7. @Müller
    „“Paradoxerweise könnten wir jedoch trotz – oder besser: wegen – der globalen Erwärmung auf eine Periode weiterer trockener und kalter Winter zusteuern. Dies jedenfalls zeigte eine 2006 veröffentlichte Studie. Ihr Hauptautor ist der Physiker Klaus Dethloff, der in der Außenstelle Potsdam des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes forscht…. „Dethloffs Modellrechnungen zeigten, dass eine Verringerung der Eisdecke zu einer Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis führt. Dadurch wird die NAO beeinflusst, was sich wiederum auf die Stärke der Westwinde und den Verlauf von Stürmen auswirkt. Werden sie wie in der Studie prognostiziert schwächer, häufen sich kalte und trockene Winter.“

    Eine sehr interessante Arbeit, die ich noch nicht kannte. Gibt es einen Link zum Originaltext? Würde mich sehr interessieren!
    An einen so ähnlichen Effekt hatte ich auch schon einmal gedachtDie Eisschmelze am Nordpol-und was sind die Folgen?, allerdings natürlich nicht wissenschaftlich so gut ausgearbeitet!

    Gruß
    Jens Christian Heuer
    WetterJounal

    jenschristianheuer

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 14:50

  8. @Müller
    Hier noch einmal der korrekte Link: http://weltenwetter.blogspot.com/2007_05_06_archive.html
    Gruß
    Jens Christian Heuer
    WetterJournal

    jenschristianheuer

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 14:59

  9. @Jenschristianheuer

    „Gibt es einen Link zum Originaltext?“

    http://www.rhombos.de/shop/a/show/story/?743

    A dynamical link between the Arctic and the global climate system

    Gruß

    M. Müller

    Müller

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 15:32

  10. @Jenschristianheuer

    Aus den oben genannten Beitrag:

    „Die gegenwärtig beobachtete Erwärmung im Winter steht im Zusammenhang mit den Änderungen der Fernverbindungsmuster der Nordatlantischen Oszillation oder der Arktischen Oszillation, so Prof. Dr. Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut. Dieses globale Muster der Luftdruck- und Temperaturverteilung hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten deutlich verändert. In den Wintern trat eine deutliche Erwärmung und in den Sommern ein leichte Abkühlung auf.

    Das verbesserte Modell sagt eine Tendenz zur negativen NAO-Phase voraus.“

    Es stellt sich also immer die Frage, ob die NAO sich infolge einer Klimaerwärmung in der Arktis umstellt, oder ob die Klimaerwärmung der Arktis eine Folge der sich verändernden NAO selbst ist.

    Müller

    Mittwoch, 25 Februar, 2009 at 16:01


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