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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Archive for Februar 2nd, 2009

Erwärmt sich der antarktische Kontinent wirklich?

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Diese Frage stellt sich, wenn man das Cover der neusten NATURE-Ausgabe betrachtet.

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Das Cover-Bild entstammt dem Artikel von Eric J. Steig und Michael E. (Hockeystick) Mann, et al.

„Warming of the Antarctic ice-sheet surface since the 1957 International Geophysical Year”

in der neusten NATURE-Ausgabe.

Worum geht es?

Bislang gingen die meisten Klimaforscher davon aus, dass die recht kleine westantarktische Halbinsel zwar wärmer wird, der weitaus größere Rest der Antarktis aber abkühlt. Doch eine neue Analyse zeigt, dass sich der Kontinent insgesamt in den vergangenen 50 Jahren erwärmt hat, die Westantarktis sogar ähnlich stark wie der Rest des Erdballs. Die Herbsttemperatur in der Ostantarktis sinke zwar, über das gesamte Jahr betrachtet zeige sich jedoch auch dort ein Trend zu steigenden Temperaturen, schreiben die US-Forscher im britischen Fachjournal «Nature».

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Die Forscher hatten die Daten von Wetterstationen mit Infrarot-Satellitenmessungen kombiniert und mit Hilfe statistischer Methoden die Temperaturentwicklung von 1957 bis 2006 bestimmt. Daraus ergilbt sich folgender Temperaturtrend für 1957-2006 auf dem antarktischen Kontinent (oberer Teil der Abbildung).

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Aufgrund des regen Protestes in der wissenschaftlichen Gemeinde haben Steig und Mann inzwischen ihre Ergebnisse auf RealClimate relativiert.

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Es wird u.a. darauf hingewiesen, dass sich die Ostantarktis innerhalb der letzten 20-30 Jahre abgekühlt hat, dass zeigen auch die Daten von Steig und Mann. (Siehe den unteren Teil der Abbildung). Dieser Teil der Abbildung wurde von Steig und Mann in NATURE nicht gezeigt. Das wurde jetzt auf RealClimate nachgeholt.

Weiter wird darauf hingewiesen, dass das Jahrzehnt zwischen 1935 und 1945 das wärmste in der Westantarktis des 20. Jh. war. Verantwortlich hierfür wird ein relativ warmer Südpazifik aufgrund von EL-Nino-Ereignissen in dieser Zeit gemacht.

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Des Weiteren werden für den aktuellen Erwärmungstrend in der Westantarktis warme Luftmassen verantwortlich gemacht, die aus wärmeren, nördlichen Regionen stammen und in Richtung Westantarktis ziehen. Dies führt zu einer Erwärmung in der Westantarktis und zu einem Rückgang von Meereis vor der Küste der Westantarktis.

Betont wird dabei auch, dass insgesamt (d.h. im Durchschnitt), innerhalb der letzten drei Jahrzehnte und rund um den antarktischen Kontinent gesehen, ein Zuwachs an Meereis zu verzeichnen ist. Auch die Temperaturen sinken seit 1978 im Bereich des antarktischen Meereisgürtels.

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Wodurch die Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation hervorgerufen werden, die zu einer Erwärmung im Bereich der Antarktischen Halbinsel und vor der Westantarktis führen, ist dabei noch völlig unklar. Es wird diskutiert, ob es sich um eine natürliche Variabilität handelt und in wieweit Treibhausgase und das Ozonloch über der Antarktis (das sich übrigens nur im antarktischen Frühjahr (September) ausbildet) eine Rolle spielen könnten.

Eines ist aber klar. In den letzten Jahren ist ein Trend hin zu einem stärkeren Südpolarwirbel und zu einer stärkeren Westwindzone rund um die Antarktis zu verzeichnen. Der südliche Polarwirbel wird tendenziell immer kälter und stabiler, es bildeten sich als Folge Eiswolken, an denen dann der bekannte Ozonabbau stattfindet.

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Eine weitere Folge des stabilen Polarwirbels ist, dass sich die Region um Patagonien (Spitze von Südamerika) und der Antarktischen Halbinsel erwärmt. Die Ostantarktis und das antarktische Plateau kühlen hingegen ab (größter Teil der Antarktis) .

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Stärkere Winde im Bereich der Westwinddrift führen des Weiteren zu einer stärkeren Tiefendurchmischung des Wassers vor der Antarktis. Mehr warmes und salzhaltiges Tiefenwasser (sehr alt) steigt vor der Antarktis auf und mehr kaltes, frisches Oberflächenwasser sinkt am Kontinentalhang ab. Dieser Prozess wird grade vor der Antarktischen Halbinsel und der Westantarktis beobachtet.

Siehe hier

Des Weiteren sind im Bereich der Antarktischen Halbinsel mehr Schneefälle und Schneezuwächse zu verzeichnen.

Siehe hier

Anliegend zeige ich Temperaturdaten des Met Office zur Temperaturentwicklung in der Antarktis seit 1900. Gezeigt werden die Temperaturanomalien zum langjährigen Referenzmittelwert. Betrachtet wird der antarktische Kontinent ohne die Antarktische Halbinsel, welche wie gesagt aufgrund ihrer geographischen Lage eine Sonderposition einnimmt. Die Daten bis Mitte des 20. Jh. sind aufgrund der geringen Stationsdichte in der Antarktis zu Beginn des 20. Jh. mit einer großen Unsicherheit behaftet. (Die Daten beschränken sich zu Beginn des 20. Jh. auf die Orcadas-Station auf den South Orkney Inseln).

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Vergrößerung: Klick

Zwischen 1900 und 1930 fällt die Temperatur. In den 30er, 40er und 50er Jahren des 20. Jh. beginnt die Temperatur stark zu steigen. Danach flacht der Anstieg immer weiter ab. Ab ca. 1980 beginnen die Temperaturen leicht zu fallen. Der Temperaturentwicklung in der Antarktis verläuft also völlig konträr zu der globalen Erwärmung im 20. Jh..

Siehe hier

Betrachtet man die Temperaturentwicklung zwischen 1957 und 2006, wie es Steig und Mann getan haben, dann erhält man kommend aus der Kaltzeit Anfang des 20. Jh. einen steigenden Trend (die rote Linie). Betrachtet man hingegen die Temperaturentwicklung der letzten ca. 30 Jahre, so erhält man einen sinkenden Trend (die blaue Linie). Durch geschickte Wahl der Zeitabschnitte, kann man sich also einen Trend „basten“, der je nachdem, wie man es grade haben möchte, eine Erwärmung oder aber Abkühlung zeigt.

P.S.:

In der Antarktis herrschen extrem kalte Temperaturen vor. In der Zentralantarktis misst man ca. –55 bis -50°C im Jahresdurchschnitt. An der antarktischen Neumayerstation (Randbereich der Antarktis) misst man –16°C im Jahresdurchschnitt. Selbst auf der antarktischen Halbinsel herrschen im Jahresdurchschnitt noch ca. -5°C vor. Temperaturen die leicht über den Gefrierpunkt liegen, treten allenfalls im antarktischen Hochsommer auf und auch nur tagsüber. Somit kommt es auch nicht zu einer großen Eisschmelze.

Nachtrag:

Andrew J. Monaghan et al. veröffentlichten im letzten Jahre eine Studie zur Temperaturentwicklung in der Antarktis in den Geophysical Research Letters.

Siehe hier und hier

Messwerte und Modellwerte wurden dabei verglichen. Während die beobachtete Temperatur in der Antarktis um 0,2°C in den letzten 100 Jahren anstieg, zeigten die Modellwerte im selben Zeitraum (20. Jh.) einen Anstieg von 0,75°C (viel zu große Werte). Der Messdatensatz von Monaghan et al. zeigt folgende Temperaturentwicklung in der Antarktis der letzten 35 Jahre.

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Montag, 2 Februar, 2009 at 13:25

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Der Januar 2009 in Deutschland war zu kalt

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Montag, 2 Februar, 2009 at 11:54

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WETTERCHAOS – Schneesturm legt London lahm

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Ein heftiger Blizzard sorgt für Chaos im Südwesten Englands: In London stehen alle Busse still, es kommt zu massiven Behinderungen auf den Straßen und im Flugverkehr. Die Meteorologen sagen weitere Schneefälle voraus.

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… Über Nacht waren teilweise 15 Zentimeter Schnee gefallen. Meteorologen warnten vor dem heftigsten Schneefall seit sechs Jahren und rechnen mit bis zu 20 Zentimetern Neuschnee. Für London und den Südosten gaben die Behörden eine Wetterwarnung heraus. Dieser Winter war in Großbritannien bisher der kälteste seit 13 Jahren.

Auch in Paris störte Schnee den Flugverkehr sowie den morgendlichen Berufsverkehr…

Am Sonntag hatte auch Spanien unter dem Wintereinbruch gelitten. In der Region Madrid wurden zwei Autobahnen zweitweise gesperrt.

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Montag, 2 Februar, 2009 at 10:48

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FOLGEN DES PELLET-BOOMS „Der Waldboden blutet aus“

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Billig und klimafreundlich heizen: Immer mehr Deutsche rüsten von Öl und Gas auf Holzpellets um. Eine fatale Entwicklung, warnt der Förster Peter Wohlleben. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt er, warum Pellets nicht CO2-neutral sind und wie deren Produktion Wälder nachhaltig schädigt.

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Montag, 2 Februar, 2009 at 10:39

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