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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Das Sturmtief Klaus kam, aber der Wind über Deutschland und Nordwesteuropa schwächelt

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Am letzten Wochenende tobte das Sturmtief Klaus über Teilen von Spanien und Frankreich und richtetet schwere Schäden an. Den Medienmeldungen zufolge war es der schwerste Sturm seit 10 Jahren. Es stellt sich die Frage: Ist dieses Sturm ein Zeichen des Klimawandels?

Um diese Frage beantworten zu können, werfen wir zunächst einen Blick auf das Wetter und die Januartemperaturen in Westeuropa. Der Januar ist nicht nur in Deutschland bisher vergleichsweise kalt ausgefallen (d.h. zum Referenzwert der Jahre 1961-90) sondern auch in Spanien und Frankreich.

Spanien erlebte den kältesten Winterbeginn der letzten 35 Jahre

Marseille in Südfrankreich ist im Schnee versunken

Heftige Wintereinbrüche sorgten schon im Dezember in Südfrankreich für chaotische Zustände

Unter diesen Gesichtpunkten stellt Klaus nur ein weiteres Wetterereignis dar, für das nicht ursächlich eine Klimaerwärmung verantwortlich gemacht werden kann.

Wie verhält es sich aber grundsätzlich mit den Stürmen über Westeuropa. Nehmen diese in Häufigkeit und Intensität zu, wie es mit einer Klimaerwärmung zu erwarten wäre?

Die Antwort liefert die folgende Abbildung.

storms

Der obere Teil der Abbildung zeigt das Windenergieangebot der Jahre 1993 bis 2008 über Deutschland. Dieses nimmt seit den 1990er Jahren ab. Das stellen auch die Windmüller anhand der schwindenden Erträge ihrer Windkraftanlagen fest.

Der mittlere Teil der Abbildung zeigt die anhand von Luftdruckmessungen seit 1880 berechnete 99%ile der geostrophischen Windgeschwindigkeiten im Bereich der Nordsee und Ostsee. (Aus gemessen Luftdruckwerten werden dabei Windgeschwindigkeiten ermittelt). Im Bereich der Nordsee und Ostsee zeigt sich eine rückläufige Sturmaktivität zwischen 1880 und 1960 und ein erneuter Abfall seit den 1990er Jahren.

Der untere Teil der Abbildung zeigt letztendlich die jährliche Verweildauer von Sturmwasserständen an der Pegelstation List auf Sylt seit 1900. Dieser Wert stellt einen guten Indikator für die lokale Sturmflutintensität dar. Die Jahreswerte zeigen auf, dass die Sturmflutintensität an der Westküste von Schleswig-Holstein von etwa 1910/20 bis um 1990 zunahm. Ab 1990 nehmen die Jahreswerte der Sturmwasserstände und die Sturmflutintensität wieder ab. [Quelle: G. Gönnert, B. Pflüger & J.-A. Bremer. Von der Geoarchäologie über die Küstendynamik zum Küstenzonenmanagement. Coastline Reports 9 (2007)]. Selbes belegen Pegelaufzeichnungen auf Norderney.

Fazit: Entgegen der aktuellen Berichterstattung (u.a wird bei jeder Sturmflut live von der Nordsee berichtet) und der weitläufigen Meinung unter der Bevölkerung, nimmt sowohl die Häufigkeit, als auch die Intensität der Stürme und schweren Stürme über Deutschland und Nordwesteuropa ab.

Anlage: Ausschnitt aus einem Vortrag von Prof. Martin Claußen auf dem 2. Extremwetterkongress 2007

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Written by admin

Mittwoch, 28 Januar, 2009 um 13:57

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

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