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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Wie Klimaaktivisten den Forschungsbetrieb auf der Polarstern lahm legen

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polarstern-klimaaktivisten

Worum geht es?

Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern befindet sich zur Zeit auf einer Forschungsreise zu einem Seegebiet zwischen Argentinien und der Antarktis.

An Bord: 48 Wissenschaftler aus Deutschland, Indien, Italien, Chile, Frankreich und Großbritannien.

Außerdem: 6 Tonnen Düngemittel. Die sollen in dem vorgesehenen Seegebiet ins Meer geschüttet werden. Bei den Düngemitteln handelt es sich um Eisensulfat.

Name der Mission: LOHAFEX. Ein deutsch-indisches Experimen, LOHA bedeutet Eisen auf Hindi (Indisch), FEX steht für „Fertilization Experiment“: Düngungsexperiment.

Ziel der Mission: Das Phytoplankton-/Algenwachstum anzuregen, um Verständnisse über den Kohlenstoffkreislauf und die Nahrungskette zu gewinnen. Algen sind „Kohlendioxid-Fänger“ (CO2-Fänger) und Nahrung für Krill.

Das „Experiment“ könnte unvorhersehbare Folgen haben, so die Befürchtung zahlreicher Umweltgruppen.

Die Umweltschützer und Klimaschützer behaupten, dass das ganze Forschungsvorhaben einen Verstoß gegen das Verbot der Meerdüngung darstellt, eine UN-Konvention, die ironischerweise unter der Federführung Deutschlands im Mai 2008 abgeschlossen wurde.

Das African Centre for Biosafety in Johannesburg bat deshalb den Umweltminister Südafrikas, Marthinus van Schalkwyk, das Auslaufen des Schiffes zu verhindern. Vergeblich, da die Experimente außerhalb der Hoheitsgewässer Südafrikas durchgeführt werden sollen.

Das deutsche Umweltministerium hatte zunächst keine Einwände erhoben, aber jetzt die Kehrtwende.

Eisensulfat wird bei uns vor allem als Zusatz von Düngemitteln und Tierfutter verwendet. Das indische National Institute of Oceanography (NIO) und das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben im Vorfeld von LOHAFEX die potentiellen Umweltbelastungen bewertet und zeigten, dass das Experiment nicht negativ auf die Umwelt wirkt. Die Eisenkonzentration, die durch die Düngung im Oberflächenwasser auftritt, ist um eine Größenordnung geringer als die natürliche Eisenkonzentration küstennahen Meerwassers und kann durch die meisten Analyseverfahren nicht einmal nachgewiesen werden. Auch wenn das Experiment im offenen Ozean stattfindet, hatten die gedüngten Wassermassen vorher aufgrund der Strömungsverhältnisse im Untersuchungsgebiet Kontakt zu den Küstenregionen Südamerikas und Südgeorgiens. Weiterhin wird die Plankton-Blüte deutlich kleiner sein als die Bereiche, die durch das Schmelzen von Eisbergen auf natürlichem Weg gedüngt werden.

Das Experiment steht im Einklang mit der Resolution der London Konvention (Übereinkommen über die Verhütung der Meeresverschmutzung durch das Einbringen von Abfällen und anderen Stoffen) aus dem Oktober 2008 und dem Beschluss der Konvention über die biologische Vielfalt aus dem Mai 2008. Beide Abkommen fordern weitere Forschung, um das Verständnis von Eisendüngung im Ozean zu verbessern. Genau darauf zielt das Projekt ab.

Das Verfahren der Eisendüngung ist als ein Konzept des Geoengineerings zur möglichen Lösung von Klimaproblemen diskutiert worden. Das US-Unternehmen Planktos hatte erwogen, kommerziell in die Ozeandüngung einzusteigen und dafür CO2-Zertifikate zu verkaufen – war damit aber gescheitert. Das AWI hatte die US-Pläne seinerzeit kritisiert und mehr Forschung gefordert. Dieser Aufgabe will das AWI mit seinem Projekt nachkommen.

Nun wird das AWI seinerseits scharf angegriffen. Die Umweltschutzorganisation Aktionskonferenz Nordsee (AKN) sprach von einem „größenwahnsinnigen Plan“. Hintergrund sei das wirtschaftliche Interesse, eine billige Lösung des weltweiten CO2-Problems zu finden.

Das geplante Experiment wurde daraufhin am 13.01.2009 ausgesetzt, nachdem Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) das von Annette Schavan (CDU) geleitete Forschungsministerium schriftlich dazu aufgefordert hatte, das Projekt „unverzüglich zu stoppen“. In dem Schreiben heißt es, der geplante Versuch habe bereits international zu Protesten geführt und untergrabe Deutschlands Glaubwürdigkeit und Vorreiterrolle beim Schutz der biologischen Vielfalt. Zunächst sollen weitere Gutachten zur Unbedenklichkeit des Versuchs eingeholt werden – nach Angaben eines Ministeriumssprechers von zwei international renommierten, unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen. Nun müssen die Gutachter über die Zukunft des Großversuchs entscheiden.

Links: Link1, Link2, Link3, Link4

Fazit:

Einer relativ kleinen Gruppe von Umwelt- und Klimaaktivisten gelingt es mit Hilfe des Umweltministers, ein über lange Jahre geplantes und auf Umweltbelastungen geprüftes, ca. 4. Mio. teures Forschungsprojekt zu stoppen, um zu verhindern, dass eine relativ kleine Menge Eisensulfat zu Forschungszwecken ins Meer gelangt. Jeder Tag auf dem Forschungseisbrecher Polarstern verursacht alleine ca. 50.000 Euro Betriebskosten. Die Kosten für Projekt und Schiffseinsatz trägt dabei zum Großteil der Steuerzahler.

Ziel des Projektes ist, die Auswirkungen der Eisendüngung auf das Algenwachstum, den CO2-Haushalt und die Krillpopulation sowie Nahrungskette der Antarktis zu untersuchen. Die Forschung zielt nicht darauf ab, Eisensulfat kommerziell in den Ozean zu verfrachten, um CO2-Zertifikate verkaufen zu können. Das Gegenteil ist der Fall. Risiken, Folgen, Vorgänge und Stoffkreisläufe sollen untersucht werden.

Dazu teilt das AWI mit:

„Im Rahmen von LOHAFEX wird entsprechend einem deutsch-indischen Memorandum of Understanding wissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben, die ein besseres Verständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs zum Ziel hat und die Grundlagen schaffen soll, eine bessere Einschätzung der Risiken einer Eisendüngung des Ozeans zu geben. Möglicherweise können die Ergebnisse des kontrollierten Düngeexperimentes ein Verbot der kommerziellen Eisendüngung gemäß der Empfehlungen der Bonner Konferenz der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) wissenschaftlich untermauern. Damit unterscheidet sich das Experiment grundlegend von den Zielen einiger Firmen, die im Rahmen des Emissionshandels mit der Düngung der Meere Geld verdienen möchten.“

Offenbar hat sich der Klimaaktivismus in Deutschland mittlerweile soweit verselbstständigt, dass es einer kleinen Gruppe von Aktivisten gelingt ein Millionenvorhaben zur Klimaforschung zu stoppen.

Von der Öffentlichkeit unbeachtet fanden ironischerweise schon in den Jahren 2000 und 2004 Düngeexperimente mit Eisensulfat von der Polarstern im Südozean statt. Anscheinend waren diese für die Umweltschutzverbände nicht medienwirksam genug?

P.S.: Zur Verankerung von Messgeräten und Messstationen im Ozean werden ausgediente Eisenbahnräder, oder Eisenbahnschienen eingesetzt, die sich langsam im Salzwasser zersetzen. Diese bestehen aus Stahl/ Eisen und verbleiben nach dem Einsatz auf dem Meeresboden. Es bleibt abzuwarten, wann sich Protest regt?

meeresforschung

Written by admin

Mittwoch, 21 Januar, 2009 um 15:23

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

7 Antworten

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  1. Hallo,

    Traurig ist das geringste was man dazu sagen kann! Ein Skandal würde der Realität schon etwas näher kommen. Mit „Schwachsinn“ wäre ich schon fast vollständig einverstanden!

    Wenn die Bohrtürme die heute noch eisbedeckte arktische See erschliessen wird man wohl herzlich darüber lachen können. Mir bleibt das Lachen allmählich aber wie ein zersplitterter Knochen im Halse stecken.

    Was mich am meisten stört ist diese an vergangene Zeiten erinnernde grobe Beleidigung und Erniedrigung Andersdenkender. Ein kleiner Diktator steckt wohl in jedem von uns. Bei einigen liegt er halt näher an der Oberfläche ;-)

    Irgendwann wird der ganze Gutmenschenschwachsinn noch Kriege auslösen! Das Ende der Wissenschaft ist jedenfalls schon eingeläutet. Danke Klimakatastrophismus, dass du uns den einzigen richtigen Weg gezeigt hast, die Welt zu retten(clear)!!!

    Nichts für ungut
    Eddy

    Eddy

    Mittwoch, 21 Januar, 2009 at 16:50

  2. Gutmenschenschwachsinn :)

    Sind immer die gleichen Selbstdarsteller, die alles ablehnen, was ihren begrenzten geistigen Horizont übersteigt. Aber mit dem Erzengel Sigie haben sie ja himmlischen Beistand.
    Ich will ja nicht unken. Aber haben die vielleicht Angst vor einer einfachen Lösung ihrer selbstkreierten CO2-Katastrophe?
    Immerhin bestünde ja rein theoretisch die „Gefahr“ dass mit den Forschungsergebnissen eine billige Stabilisierung des athmosphärischen CO2-Gehalts und gleichzeitig eine zusätzliche Nahrungsquelle erschlossen würde.

    MEstermeier

    Mittwoch, 21 Januar, 2009 at 23:54

  3. Hallo herr Estermeier,

    Man versucht einfach alles zu verbieten oder zu diskreditieren, was diesen Hype stoppen könnte. Es wird nicht mehr lange dauern, dann ergeht es dem Klimakatastrophismus wie dem Waldsterben. Ganz falsch war es nicht, aber extrem übertrieben und auch noch in 100 Jahren, wenn die Mosel wieder jeden Winter komplett zufriert, wird man noch behaupten, dass man recht hatte.

    Liebe Grüsse
    Eddy

    Eddy

    Donnerstag, 22 Januar, 2009 at 07:56

  4. Hallo Eddy

    könnte es sein, daß wir uns persönlich kennen?

    MEstermeier

    Freitag, 23 Januar, 2009 at 00:43

  5. Hallo Herr Estermeier,

    Höchstens aus dem Spiegelforum. Ich bin Luxemburger. Ich wüsste aber persönlich nicht woher ich Sie kennen würde…

    Ein schönes Wochenende an alle

    Eddy (heisst bei uns übrigens auch Tschüss) ;-)

    Eddy

    Freitag, 23 Januar, 2009 at 15:47

  6. Hallo Eddy

    war nur so ein Gedanke als Moselaner. Freut mich aber trotzdem, daß du nicht auf der Seite dieser infantilen Weltidealisierer bist.

    MEstermeier

    Freitag, 23 Januar, 2009 at 18:56

  7. Das Projekt darf jetzt gestartet werden:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,603600,00.html

    Thearcadier

    Montag, 26 Januar, 2009 at 21:38


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