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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Klimakiller vom Acker

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Biosprit hat nicht nur wegen seiner energieaufwendigen Herstellung keine positive Klimabilanz. Das Düngen von Raps und Mais macht ihn offenbar schädlicher als Benzin und Diesel.

Das Ergebnis klingt zunächst paradox: Biosprit ist klimaschädlicher als Benzin, hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um den Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen berechnet. Der Grund liegt in dem gefährlichen Stickoxid (N2O), welches vor allem beim Düngen der Energiepflanzen in die Atmosphäre gelangt.

Jede Tonne Stickoxid hat nämlich eine fast 300-fach so starke Treibhauswirkung wie dieselbe Menge an Kohlendioxid.

Wegen der starken Treibhauswirkung von Stickoxid sind die Folgen fürs Klima erheblich: Für Raps-Sprit wäre demnach die relative Erwärmung 1,7-mal höher als der Kühlungseffekt durch die Einsparung von CO2 aus fossilem Treibstoff. Ethanol aus Mais, der vor allem in den USA hergestellt wird, wäre den Berechnungen zufolge bis zu 1,5-mal klimaschädlicher als Benzin oder Diesel. Ethanol aus Zuckerrohr, das auch in seiner energetischen Bilanz besser abschneidet als Raps und Mais (dessen Anbau allerdings zugleich den Regenwald gefährdet) kommt auf einen Faktor 0,5.

Weiter

Es stellt sich die Frage: Wie Klima- und Umweltfreundlich ist Biosprit wirklich? Dazu einige Auszüge aus  Presse, Literatur und aus wissenschaftlichen Studien.

Kritiker halten den positiven Effekten des Rapsölmethylesters (RME) entgegen: den hohen Flächenbedarf, den Energie- und Rohstoffverbrauch durch die Düngemittelanwendung, den Energieverbrauch bei der Verarbeitung des Rapsöls zu RME und schließlich – vor dem Hintergrund global zunehmender Trinkwasserknappheit – den hohen Wasserbedarf der Rapspflanze. Durch die – im intensiven Rapsanbau nötige – hohe Stickstoffdüngung entsteht viel Distickstoffoxid (Lachgas, N2O), welches ein bis zu 320-fach stärker wirkendes Treibhausgas ist als Kohlenstoffdioxid (CO2). Ein weiterer Kritikpunkt sind die Auswirkungen der Biokraftstoffproduktion auf Weltmarktpreise von Nahrungsmitteln. (Quelle: Wikipedia)

Pflanzen liefern dagegen einen messbaren Beitrag an ozonschädigenden Verbindungen. Kreuzblütengewächse produzieren Methylbromid. Allein der Raps produziert 6600 Tonnen im Jahr, dies ist ein Anteil von 15% dessen, was immer noch industriell hergestellt wird. (Quelle: Wikipedia)

Dazu auch „Umweltgifte vom Gabentisch der Natur“

http://www.wissenschaft-online.de/spektrum/pdf/leseprobe/SDW_05_06_S038.pdf

Nach dem ifeu-Gutachten (Heidelberger ifeu-Institut) fallen zu Ungunsten von Rapsöl oder RME folgende Faktoren aus:

  • „Verbrauch an mineralischen Rohstoffen“ (Mineraldünger),
  • „Versauerung“ der Böden und „Eutrophierung“ (Nährstoffanreicherung in Gewässern)
  • sowie „stratosphärischer Ozonabbau“ (Zerstörung der Ozonschicht) durch Freisetzung des ozonschädigenden und gleichzeitig hochwirksamen Treibhausgases Distickstoffoxid (N2O) aus Düngemitteln und Rapsstroh,
  • ferner die „Human- und Ökotoxizität“ von Ammoniak (NH3) und Stickoxiden (NOx)
    (NOx entstehen durch Umwandlung von N2O und sind Vorläufersubstanzen von bodennahem Ozon (O3) -> Sommersmog). (Des Weiteren sind NOx Säurebildner und tragen zur Versauerung der Böden und zum Waldsterben bei).

Weitere Nachteile: Ein Hektar Raps gibt kaum 1.000-1.500 Liter Biodiesel her. Das ist so wenig, dass man praktisch das ganze Land mit Rapsfeldern überziehen müsste. Schon die Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen verbrauchen eine ganze Menge Treibstoff.

Zusammenfassung:

  1. Freisetzung von klimabeeinflussenden Gasen
    Bei der landwirtschaftlichen Produktion von Raps entstehen klimaschädigende Gase:
    Methan, Lachgas (Distickstoffoxid), Kohlenwasserstoffe, Stickoxide, Kohlenmonoxid.
  2. Bodenbelastungen beim Rapsanbau
    Zur Rapskultur werden Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt. Diese Stoffe gelangen in den Boden und ins Grundwasser. Deshalb steigt z.B. der Nitratgehalt im Grundwasser.
  3. Gefahr der Monokultur
    Wenn auf bestimmten Feldern nur Raps angebaut wird, führt dies zu einer Begünstigung von Schädlingen. Ein erhöhter Bedarf an Schädlingsbekämpfungsmitteln ist die Folge.
  4. Flächenverbrauch geht dem Biotop- und Artenschutz verloren
    Stillgelegte Ackerflächen dienen auch dem Biotop- und Artenschutz. Wenn durch Rapsanbau zusätzliche Flächen erforderlich sind oder stillgelegte Flächen wieder genutzt werden, geht dieser Aspekt des Naturschutzes verloren.
  5. Geringe Produktionskapazitäten
    In Deutschland stehen jährlich nur etwa 1 Mio. Tonnen Rapsöl für die Erzeugung von Biodiesel zur Verfügung.

Die Ökobilanz des Umweltbundesamtes

Eine Studie des Umweltbundesamtes kam im Jahre 1993 zu folgenden beachtlichen Ergebnissen:

Die für Deutschland geschätzten Ersatzmengen von Diesel durch Biodiesel könnten den Kohlendioxidausstoß nur um ca. 0,6 % verringern. Der Ersatz von Diesel durch rapsbasierte Kraftstoffe ist aus Umweltsicht nicht zu befürworten. Zukünftig sollte bei der Verwendung von Raps die Verarbeitung zu fettchemischen Produkten (siehe Fettalkoholsulfat!) im Mittelpunkt stehen.

Written by admin

Donnerstag, 30 Oktober, 2008 um 14:16

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

5 Antworten

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  1. Was mich wesentlich mehr interessieren würde, als alle Klima-Bilanzen, ist eine schlichte Energiebilanz von Biokraftstoff. Wieviel Energie muß für die Produktion von Biokraftstoff aufgewendet werden und wieviel Kilojoule kann man damit theoretisch erzeugen? Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Bilanz negativ ist. Womit sich die Frage aufdrängt, mit welchen Energieträgern man das Defizit ausgleichen will, wenn sich die fossilen Träger dereinst tatsächlich erschöpfen.

    Mcp

    Donnerstag, 30 Oktober, 2008 at 21:02

  2. @Mcp

    Du hast offensichtlich die grüne Logik noch nicht verstanden. Ist aber ganz einfach

    1. Überlegen was sich intelligent anhört und gutmenschlich aussieht.
    2. Alle, aber auch wirklich alle, Hebel in Bewegung setzen um es zu realisieren.
    3. Finanziers per Ordre de Mufti ausgucken.
    4. Warten bis die Karre so richtig im Dreck steckt.
    5. Einen, oder mehrere Schuldige suchen (Üblicherweise: In Regierungszeiten wars die Opposition, ansonsten eben die Regierung)
    6. Kläckerlesweise alles wieder rückgängig machen.

    Ökobilanz???
    Was ist das :-(

    MEstermeier

    Freitag, 31 Oktober, 2008 at 01:02

  3. Ich ahne schon, mit Physik hat das alles wohl nichts mehr zu tun.

    Mcp

    Freitag, 31 Oktober, 2008 at 12:12

  4. Die eigentlich ursprüngliche EU-Zielstellung Abbau der Überproduktionen an Lebensmitteln und Renaturierung von Kulturflächen wurde somit, abgesehen von der Lebensmittel-Verknappung nicht erreicht. Den Bauern wurde zwar eine Alternative zur Lebensmittel-Produktion eröffnet, aber durch massivste Förderung wurde sie zum Schaden für die Umwelt. Es wären dumme Bauern, würden sie nicht Das anbauen, womit sie das Meiste verdienen können.

    Bibliothekar

    Sonntag, 2 November, 2008 at 07:27

  5. @Mcp

    Etwas Physik ist wohl schon noch drin (damits wissenschaftlich aussieht). Der überwiegende Teil dürfte allerdings Ideologie sein.

    @Bibliothekar

    Das ist wohl das Ergebnis, wenn grün angehauchte Ökologen unausgegohrene Ideen einem ökonomisch handelnden Bauern aufs Auge drücken wollen :-D

    MEstermeier

    Dienstag, 4 November, 2008 at 03:07


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