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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Das arktische Meereis und die Sonne

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Seit nunmehr 30 Jahren wird das arktische Meereis von Satelliten aus beobachtet und vermessen. In dieser Zeit konnte eine deutliche Abnahme der Meereis-Fläche/Ausdehnung festgestellt werden. Diese Abnahme wird vielfach einem Menschen gemachten Klimawandel zugeschrieben. In wie weit lässt sich diese Annahme aber belegen?

Kurzzeittrends sagen nur sehr wenig über die Klimavergangenheit des arktischen Meereises aus. Die Satellitenvermessungen reichen bis ins Jahr 1978 zurück, eine ausklingende Kältezeit, welche durch den Ausstoß von Aerosolen (dem sog. Global Dimming), durch eine geringere Sonnenaktivität und durch einen überwiegend negativen NAO-, AMO-, LFO-, PDO- und ENSO-Index entscheidend geprägt war (natürliche Oszillationen, Wettersysteme, kalte Meeresströmungen). Was viele nicht wissen, in den 30er und 40er Jahren war die Arktis ähnlich warm wie heute. (Siehe dazu die folgende Abbildung).

Wie sieht die Klimavergangenheit des arktischen Meereises der letzten Jahrhunderte aus? Diese Information kann weitere Rückschlüsse liefern. Satellitenvermessungen aus der Zeit vor 1978 existieren leider nicht, also muss man hier auf überlieferte Beobachtungen zurückgreifen. Die Seefahrer beobachteten schon früh die sommerlichen Meereisgrenzen. Aus der Norwegischen See liegen Aufzeichnungen und Werte vor, die bis ca. 1730 zurück reichen, also in eine Zeit, die als Kleine Eiszeit in die Geschichte eingegangen ist. Während der Kleinen Eiszeit gab es Phasen verminderter Sonnenaktivität, welche durch besonders niedrige Temperaturen gekennzeichnet waren. Der Einfluss von Sonnenaktivität und natürlichen Oszillationen auf die arktische Meereisausdehnung ist hier nahe liegend. Die anliegende Abbildung nach Vinje 2001, Akasofu 2006, Kramm 2007 (oberer Teil) zeigt die beobachtete, sommerliche Meereisausdehnung in der Norwegischen See zwischen ca. 1730-2000. Der untere Teil der Abbildung zeigt die zeitgleich beobachtete monatliche Zahl der Sonnenflecken, als Maß der Sonnenaktivität. Der untere Teil der Abbildung wurde auf den Kopf gestellt, zwecks direkten Vergleich mit dem Meereisgraphen.

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Kommend aus dem Maunder Minimum (von ca. 1645-1715) der Kleinen Eizeit wird um 1760 eine Warmphase mit erhöhter Sonnenaktivität erreicht. Diese Zeit ist durch eine besonders weit nach Norden zurückweichende Meereisgrenze gekennzeichnet. Die Kleine Eiszeit endet mit dem sog. Dalton Minimum der Sonnenaktivität, welches zwischen ca. 1790-1830 erreicht wird. Das Dalton Minimum ist durch eine besonders weit nach Süden vorstoßende Meereisgrenze gekennzeichnet. Der Übergang vom Dalton Minimum zum Modernen Maximum der Sonnenaktivität spiegelt sich in guter Übereinstimmung im Meereis wieder. Kommend aus der Kleinen Eiszeit nimmt die Meereisausdehnung seit ca. 1800 beständig ab. Ein Zwischenminimum um ca. 1945 wird erreicht, das mit der steigenden Sonnenaktivität und der arktischen Warmzeit der 30er und 40er Jahre zusammenfällt. In den nachfolgenden, kalten Jahrzehnten erholt sich das Meereis wieder, bevor es dann wieder wärmer wird  und es weiter Berg ab geht. Ein außergewöhnlicher/einmaliger Abfall ist dabei nicht zu erkennen, in Anbetracht dessen, dass die Sonnenaktivität in den 80er Jahren ein neues Zwischenmaximum erreicht hat und sich gleichzeitig die Aerosolkonzentration in der Luft stark verringert hat und so, trotz aktuell abnehmender Sonnenaktivität, mehr Sonnenlicht bis auf den Erdboden gelangen kann. Die Globalstrahlung welche auf den Erdboden gelangt entspricht heute in etwa dem Maximum der 40er Jahre (siehe die anliegende Abbildung mit Messwerten aus Potsdam).

Fazit: Die letzten 30 Jahre Meereisgeschichte zeigen im Verlaufe der letzten Jahrhunderte kein außergewöhnliches Verhalten. Eine ähnlich geringe Meereisausdehnung wie heute wurde in der Norwegischen See (Grönland See) schon im mittelalterlichen Optimum und um 1760 erreicht, ein weiteres Minimum wurde um 1945 erreicht. Dazu sollte man wissen, im Klimaoptimum des Holozäns vor ca. 5.000-8.000 Jahren und im Eem vor rund 120.000 Jahren (ebenfalls Warmphasen mit hoher Sonnenaktivität) war es um einige Grad wärmer in der Arktis als heute. Kommend aus der Kleinen Eiszeit ist der „Schmelztrend“ seit ca. 1800 weder außergewöhnlich, noch einmalig. Aktuelle Messungen zeigen, dass sich von 2007 auf 2008 der „Schmelztrend“ in der Arktis durch eine ca. 10%ige Eiszunahme gegenüber dem Vorjahresminimum wieder abgeflacht hat (siehe die anliegende Abbildung, oberer Teil). Weiter sollte man nicht vergessen, dass in der Antarktis (am Südpol) gegenüber 1978 ein Zuwachs an Meereis zu verzeichnen ist (siehe die anliegende Abbildung, unterer Teil).  Wie es weiter gehen wird bleibt abzuwarten.

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Anlage (Geschichte des arktischen Meereises der letzten 800 Jahre, Meereisbeobachtungen vor Island & Grönland):

Multi-decadal variation of the East Greenland Sea-Ice Extent: AD 1500-2000, Knud Lassen and Peter Thejll, Danish Meteorological Institute, Scientific Report 05-02

Veränderungen der Eisverhältnisse an der Südspitze Grönlands von 1777 bis 2002, G. Gönnert, B. Pflüger & J.-A. Bremer, Von der Geoarchäologie über die Küstendynamik zum Küstenzonenmanagement, Coastline Reports 9 (2007), ISSN 0928-2734, ISBN 978-3-9811839-1-7, S. 149 – 162

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Written by admin

Dienstag, 23 September, 2008 um 14:56

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

3 Antworten

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  1. @multiverus

    Der nörgelt da weiter an dem Jahesvergleich rum, ohne diesen Beitrag zum Langzeittrend, die Abbildungen und Paper zur Kenntnis zu nehmen (ich habe ihn mehrfach darauf aufmerksam gemacht). Statt dessen wiederholt er sich dort ständig, weicht ständig vom Thema ab, beruft sich ständig auf Graphen des NSIDC und verlinkt diese zusammen mit Graphen der Globaltemperatur (1850-heute), welche natürlich nicht repäsentativ für die Temperatur der Arktis sind. Global ist nicht gleich Arktis. Repräsentativ wäre Abb. 1 hier im Beitrag. Wegen mehrfachen und wiederholten Regelverstoßes, den er ständig ignoriert, vielmehr sieht er die Regelverstöße bei anderen, habe ich mich entschlossen, fehlplatzierte Kommentare von ihm in den Kummerkasten zu verschieben. Nach der Editierung werden sie dort erscheinen.

    Müller

    Samstag, 27 September, 2008 at 10:49

  2. Interessant derzit ist, daß in der Antarktis eigentlich die Schmelze beginnen müsste, defakto aber eine Zuname festzustellen ist, allerdings ist der Durchschnitt 79 / 00 nch nicht erreicht, auch die Ausdehnung wie im letzten Jahr noch nicht.

    Dagegen nimmt die arktische Vereisung sehr stark zu.

    krishnag

    Samstag, 4 Oktober, 2008 at 09:48

  3. Daß das irdische Klima mit den Sonnenflecken-Relativzahlen einhergeht, erkannten schon die Astronomen des 18. Jahrhunderts. Ich, Baujahr 1962, weiß das seit Mitte der Siebziger. Daß dieses Wissen wieder „verlorenging“, war gewollte Politik. Immerhin wurden mit der Klimalüge mehrere 100 Milliarden verdient! Und diese Leute werden natürlich die Kurve kriegen! Denn auch mit „Global Cooling“ läßt sich gut eine Menge Heu machen!

    xpenguin

    Sonntag, 19 Dezember, 2010 at 03:33


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