KLIMANEWS

Ein Umweltphysiker/ Geowissenschaftler im Klimawandel

Archive for August 24th, 2008

Drei Meereisplaneten

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Großen Wirbel, bzgl. der „korrekten“ Vermessung der arktischen Meereisausdehnung, verursachte kürzlich dieser Artikel von Steven Goddard in der Internetzeitung „The Register“.

http://www.theregister.co.uk/2008/08/15/goddard_arctic_ice_mystery/

In dem Artikel wird die Frage aufgeworfen, ob das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) die arktische Meereisausdehnung korrekt vermisst.

Als Antwort darauf folgte dieser Blogbeitrag in der KlimaLounge unter dem Titel „Zwei Planeten“ von Stefan Rahmstorf.

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/klimalounge/medien-check/2008-08-21/zwei-planeten

In dem Beitrag wird darauf hingewiesen, dass die Daten verschiedener Satelliten und Forschergruppen untereinander gut übereinstimmen. Neben den Daten des NSIDC wird auf die Daten der japanischen Kollegen (IJIS) und auf die der UNI Hamburg hingewiesen.

Was stimmt nun? Kurzerhand habe ich mir die drei Datensätze besorgt und in einem Graphen geplottet.

Bei der Vermessung der Meereis-Fläche/Ausdehnung unterscheidet man in Sea Ice Area und Sea Ice Extent. Der Area-Wert beschreibt hierbei die Meereisfläche und der Extent-Wert die Meereisausdehnung. Der Extent-Wert liegt immer leicht über dem Area-Wert. Um eine einheitliche und vergleichbare Basis zu schaffen, habe ich jeweils die von den drei Instituten veröffentlichten Extent-Werte verwendet. Hier die Quelldaten der drei Institute:

NSIDC – Arctic Sea Ice News – Saisonale, tagesaktuelle Extent-Werte für 2006, 2007, 2008
http://nsidc.org/arcticseaicenews/2008/040708.html

IJIS – Data of Sea Ice Extent – Tagesaktuelle Extent-Werte 2002-heute
http://www.ijis.iarc.uaf.edu/en/home/seaice_extent.htm

UNI Hamburg – Sea Ice Maps and Data – Tagesaktuelle Extent-Werte 2002-heute
http://seaice.de/
ftp://ftp-projects.zmaw.de/seaice/AMSR-E_ASI_IceConc/area-extent/AMSR-E_ASI_area-extent.png
ftp://ftp-projects.zmaw.de/seaice/AMSR-E_ASI_IceConc/area-extent

Hier die Werte in einem Graphen geplottet.

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Insbesondere die Maximas und Minimas zeigen deutliche Abweichungen zueinander. Die UNI Hamburg liegt mit ihren Minimas am niedrigsten. Die Minimas liegen mehr als -½ Mio. km^2 unten denen von NSIDC und IJIS. Bei den Maximas liegt das NSIDC am höchsten. Die Maximas des NSIDC liegen mehr als ½ Mio. km^2 über denen von IJIS und UNI Hamburg. Neben den Graphen sind die Werte der letzten minimalen Meereisausdehnung und der letzten maximalen Meereisausdehnung verzeichnet. Es tauchen leichte zeitliche Differenzen im Erreichen des Minimums und Maximums auf.

Fazit: Die drei Institute kommen bei der Vermessung der Meereisausdehnung zu unterschiedlichen Ergebnissen. Am Ende der Schmelzsaison und am Anfang der Schmelzsaison weichen die Werte um mehr als ½ Mio. km^2 zueinander ab. Auch die Amplituden der Schwingung stimmen nicht überein. Das IJIS zeigt eine deutlich geringe Amplitude als die beiden anderen Institute.

Mein Tipp: Anstatt auf Graphen der vermessenen Meereisfläche und vermessenen Meereisdehnung zurück zu greifen, sollte man lieber die aus Satellitendaten erstellten Bilder der Eiskonzentration verwenden. Eine Überblendung zeigt dann eindeutig, wie sich das Meereis im Vergleich zum Vorjahr verändert hat.

Siehe z.B. Cryosphere Today

http://igloo.atmos.uiuc.edu/cgi-bin/test/print.sh?fm=08&fd=23&fy=2007&sm=08&sd=23&sy=2008

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Man sieht einen deutlichen Eiszuwachs. Ein Zuwachs von einem aufs andere Jahr macht aber noch keinen Trend. Die Meereisfläche wird erst seit 30 Jahren von Satelliten aus vermessen. Die Messungen haben in einer globalen Kälteperiode begonnen. Somit zeigt ein linearer Trend der letzten 30 Jahre natürlich auch nach unten. Das bedeutet aber nicht, dass das so weiter gehen muss und sich die Natur linear verhält.

Written by Michael Krüger

Sonntag, 24 August, 2008 at 14:36

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert