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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Die „Tricksereien“ des Herrn Rahmstorf?

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Herr Rahmstorf schreibt:

Ist die Erwärmung vobei?

Dazu sind einige Korrekturen angebracht.

1) Herr Rahmstorf verwendet in seinen Grafiken Projektionen aus dem 3. IPCC-Bericht von 2001 (grauer Bereich mit gestrichelten Linien) und nicht welche aus dem aktuellen 4. IPCC-Bericht von 2007.

2) Bzgl. des kalten Januars verweist Herr Rahmstorf auf das La Niña Ereignis im Pazifik und die reflektierende Schneedecke der Kontinente. La Niña und El Niño (ENSO-Index) haben mit Sicherheit Einfluss auf die Temperaturen und Niederschläge im Pazifikraum, jedoch wenig auf die Temperaturen in Zentral-Asien und denen in der Zentral-Antarktis. Besonders kalt war es im Januar aber grade in Asien und in großen Teilen der Antarktis. Die Kälteanomalien dort waren bestimmend für den global kalten Januar und Winter. (Siehe Abbildung 1 mit Temperaturanomalien für Jan. 2008 im Vergleich zum Jan.-Mittel der letzten 30 Jahre, Jan. 1979-2008).

3) Der reflektierende Schnee in Asien war eine Folge der vorangegangenen Kälte. Im Dezember kam zuerst die Kälte und Mitte Januar dann der Schnee (die Schneeanomalie war nicht außergewöhnlich). (Siehe Abbildung 2: In der 1. Januarwoche 2008 lag nicht mehr Schnee, als in der 1 Januarwoche 2007). Die Strahlungsbilanz und Abkühlung durch den reflektierenden Schnee im Jan. 2008 ist also marginal.

Schnee-Jan-2007-2008

4) Neben La Niña und El Niño (ENSO-Index) gibt es weitere „Wettersysteme“ auf NH und SH, die wetterbestimmend sind. AO, NAO, AMO, PDO auf der NH und ENSO, AAO auf der SH sind hier zu nennen. Herr Prof. Lindzen hat u.a. Bezug dazu genommen.

www.junkscience.com/mar08/Lindzen-Rahmstorf-Exchange.pdf

S. 42: “El Niño is not the only such internal (as opposed to externally forced) pattern. Others like the Pacific Decadal Oscillation (PDO) and the Atlantic Multi-decadal Oscillation (AMO) represent longer period fluctuations and can be larger than El Niño.”

5) Herr Rahmstorf behaupten, dass es sich bei dem Temperaturverlauf der letzten Jahre um Wetter handelt und nicht um Klima. Wenn das der Fall ist, dann sollte er den Temperaturverlauf der letzten Jahre mit den genanten Wettereinflüssen korrekt erklären können. Das macht er aber nicht. Warum?

6) Bei der Bestimmung des 8-jährigen, linearen Trends 2000-2007 der Globaltemperatur rechnet Herr Rahmstorf mit Jahresmittelwerten und legt den Startpunkt in das Jahr 2000, in ein Minimum, wie sich zeigt. Siehe Abbildung 3.

HadCRUT3-2000-2007

Darum wundert es auch nicht, wenn man eine steigende Grade erhält. Siehe zudem die anliegenden Graphen der Abbildung 4. HadCRUT3 Monatsmittelwerte der Globaltemperatur mit linearen Trendlinien und unterschiedlichen Startpunkten (1998 blau mit Steigung von 0,007°C pro Jahrzehnt, 2000 rot mir Steigung von 0,06°C pro Jahrzehnt und 2002 grün mit Steigung von –0,2°C pro Jahrzehnt).

HadCRUT3-Feb2008

Die Steigungsraten liegen allesamt unter der von Herrn Rahmstorf berechneten von +0.17ºC/Jahrzehnt. Die Steigungsraten sind nahezu Null bzw. negativ, wenn man den linearen Trend über die Monatsmittelwerte bildet und nicht wie Herr Rahmstorf über die Jahresmittelwerte mit Startpunkt 2000.

7) Verwendet man vom HadCRUT3 Datensatz die Monatsmittelwerte der Globaltemperatur und einen gleitenden Trend über 11 Jahre, so kommt der rechte Teil von Abbildung 4 zu Stande (schwarze Linie). Verwendet man vom HadCRUT3 Datensatz die Monatsmittelwerte der Globaltemperatur und einen gleitenden Trend über 9 Jahre, so kommt der linke Teil von Abbildung 4 zu Stande (rote Linie). Die rote Kurve macht am Ende einen Knick nach unten. Selbes ergibt sich, wenn man mit den Jahresmittelwerten rechnet.

HadCRUT3-9-11

Herr Rahmstorf behauptet aber folgendes:

„Es gibt keinen Grund, warum eine 9-jährige Kurve abknicken sollte.“

Warum behauptet Herr Rahmstorf das? Das kann er letztendlich nur selbst beantworten.

Ich erinnere mich an die Dokus Feuer im Eis von 1998 und der Klimadetektiv von 2000, in welchen Herr Rahmstorf als Experte zum Versiegen des Nordatlantikstroms aufgetreten ist. Das Versiegen wird neuerdings in diesem Jh. ausgeschlossen.

Ebenfalls erinnere mich an Herrn Rahmstorfs Darstellung der Temperaturgeschichte Grönlands. Hier.

Written by admin

Dienstag, 18 März, 2008 um 22:30

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

4 Antworten

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  1. Abb.4 verwirrt mich etwas. Laut Legende zeigt sie eine Temperaturanomalie zwischen 1961 – 1990. Die x-Achse läuft aber von 1929/12 bis ca. 2007/2008. Eine 9-jährige Kurve erkenne ich jedenfalls nicht.

    Gruß, Calimero

    Calimero

    Mittwoch, 19 März, 2008 at 06:58

  2. @Calimero

    HadCRUT3 Temperaturanomalie bzgl. dem Referenzmittel der Jahre 1961-1990. Hier die Daten vom Met Office:

    http://hadobs.metoffice.com/hadcrut3/diagnostics/global/nh+sh/

    Müller

    Mittwoch, 19 März, 2008 at 10:33

  3. P.S. Calimero: Gleitenden Trend über 11 und 9 Jahre. Die Kurven werden dabei über Zeitintervalle von 11 bzw. 9 Jahre geglättet.

    Müller

    Mittwoch, 19 März, 2008 at 11:00

  4. Ich kann nur wiederholen, was ich auf Ökologismus schon schrieb: Was mich bezüglich Rahmstorf ein wenig skeptisch macht, sind seine absoluten Aussagen. In einer seiner zahlreichen pdf-Artikeln (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Other/Rahmstorf_Klimawandel_Nov_2005_web.pdf) schrieb er:

    “Soviele heftige Hurrikans gab es noch nie.”

    Wie definiert denn Herr Rahmstorf “nie”. 100 Jahre? 200 Jahre? Da er dazu nichts genaueres sagt, muss man “nie” in seiner ursprünglichsten Form vermuten – die da wäre: Seit der Existenz des Planeten. Falls dem so tatsächlich so ist, würden mich die von Rahmstorf verwendeten Proxy-Daten wirklich brennend interessieren. Zudem zeigten doch schon einige Untersuchungen, dass die Hurrikan-Aktivität nur im Nord-Atlantik signifikant gestiegen ist (Kossin et al., 2007):

    http://climatereview.wordpress.com/2008/02/25/hurrikans-zum-zweiten/

    Und auch bezüglich der Hurrikans im Nord-Atlantik deutet wenig auf die Katastrophen-Szenarien hin, die gerne mit erstaunlicher Häufigkeit in den Medien zelebriert werden:

    http://climatereview.wordpress.com/2008/03/19/sinkender-hurrikantrend/

    Vielleicht täten dem Herrn Rahmstorf etwas mehr Objektivität, Sachlichkeit und Zurückhaltung nicht schlecht.

    climatereview

    Donnerstag, 20 März, 2008 at 14:42


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