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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Die Klimageschichte Grönlands, wie sie Prof. Stefan Rahmstorf präsentiert

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Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist einer der Bekannteste unter den Top-Klimaforschern Deutschlands – und zugleich der unerbittlichste. Journalisten beklagen Einschüchterungsversuche, Forscher gehen auf Distanz zum Potsdamer Professor. Der Konflikt mit den sog. „Klimaskeptikern“ wird inzwischen in Zeitungen und den Medien ausgetragen. (Siehe z.B. Spiegel-Online vom 12.10.2007).

Auf seiner Internetseite hat der Ozeanograph und theoretische Physiker eigens eine Rubrik den „Klimaskeptikern“ gewidmet.

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/klimahysterie.html

Des weiteren nimmt sich Herr Rahmstorf dort kritischen Fragestellungen zum Klimawandel an.

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/leser_antworten.html

U.a. erfolgt eine Stellungnahme zu der Frage:

„Zur Zeit der Wikinger war es in Grönland wärmer“

Herr Rahmstorf verweist auf den Dye3 Eisbohrkern, welcher in Südgrönland gewonnen wurde und als Klimaarchiv dient.

Zitat Rahmstorf: „Der Dye3 Eisbohrkern liegt der Wikingersiedlung am nächsten (Abbildung). Er zeigt, dass im Süden Grönlands die Temperaturen Mitte des 20. Jahrhunderts (am Ende des Bohrkerns) wärmer waren als je in den vorherigen dreitausend Jahren.“

Es folgt diese Abbildung mit einem aus dem Eisbohrkern gewonnen Temperaturverlauf:

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/material/dye3.jpg

Im September hatte ich im Ökologismus-Blog „Von der Relativität zur Rabulistik: Die Wandlungen des Physikers Prof. Rahmstorf“ folgendes bemängelt:

„Anhand von Bohrkernen werden die Temperaturen über sog. Proxys wie z.B. Änderungen in der Sauerstoffzusammensetzung (Isotope O18, O16) indirekt bestimmt. Auf diese unverlässlicheren Daten greift auch gern Herr Rahmsdorf zurück. Gibt beim Dye3-Kern nicht mal das Verfahren und eine Skalierung an und hängt offensichtlich noch ohne Angabe aktuelle Messwerte dran.

Kurz darauf wurde die Abbildung von Herrn Rahmstorf leicht verändert und durch folgenden Wortlaut ergänzt: „(Gezeigt ist das Sauerstoff-Isotop 18O, ein Standardproxy für Temperatur. Die Daten reichen bis 1979, da dieser Eiskern 1979-1981 gebohrt wurde.)

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/material/dye3.jpg

Nun gut, damit gibt er zumindest das Verfahren an. Die Skalierung und Beschriftung an der Y-Achse fehlt weiterhin und eine Quelle, bzw. Veröffentlichung zu den Daten wird auch nicht genannt.

Folgende Fragen stellen sich mir daher auf:

1) Woher hat Herr Rahmstorf diese Temperaturrekonstruktion?

2) Gibt es für die Dye3 Bohrung eine Temperaturrekonstruktion, die bereits veröffentlicht wurde?

Die erste Frage kann ich leider nicht beantworten. Auf die zweite Frage kann ich aber eine eindeutige Antwort geben. Ja, eine solche Temperaturrekonstruktion existiert. 1998 erschienen in der renommierten Fachzeitschrift Science, Autorin Prof. Dorthe Dahl-Jensen.

Past Temperatures Directly from the Greenland Ice Sheet, D. Dahl-Jensen, K. Mosegaard, N. Gundestrup, G. D. Clow, S. J. Johnsen, A. W. Hansen, N. Balling, Science 9 October 1998

Mit Hilfe von Temperaturmessungen im Bohrloch Dye3 wurde dabei die Temperatur Südgrönlands rekonstruiert. Dieses Verfahren ist weitaus genauer als eine Temperaturrekonstruktion, abgeleitet aus Messungen von dem 18O-Sauerstoff-Isotop im Eis des Bohrkerns.

Kurz ein Vergleich der Verfahren und ein Vergleich der Ergebnisse:

Zur Rekonstruktion der Klimageschichte bedient man sich verschiedener Methoden.

Proxys sind sog. indirekte Klimaindikator. Baumringe, Lufteinschlüsse in Eisbohrkernen (18O) und Sedimentablagerungen sind hier z.B. zu nennen. Sie lassen nur bedingt auf die Temperatur der Vergangenheit schließen.

Ein direktes Verfahren stellen Temperaturmessungen in Bohrlöchern dar. Im Eis der Arktis und Antarktis, sowie auf den 5 Kontinenten der Erde gibt es Bohrlöcher mit mehreren hundert Metern Tiefe, die zwecks Öl- und Gasförderung, bzw. zur Forschung angelegt wurden. Lässt man diese Bohrlöcher einige Zeit Ruhen, so bildet sich in ihnen das Temperaturprofil des umgebenden Erdkörpers ab. Zur Erfassung des Temperaturprofils misst man die Temperatur im Bohrloch.

Temperaturprofile sind als Klimaindikator hervorragend geeignet, vor allem, wenn der Untergrund gleich beschaffen ist und eine konstante Wärmeleitfähigkeit und Temperaturleitfähigkeit aufweist (wie z.B. bei Gestein und Eis). Zudem sollte man darauf achten, dass sich die Oberflächenbedingungen nur geringfügig ändern (Bewuchs, Eisbedeckung, etc.). Änderung der Lufttemperatur haben eine Änderung der Oberflächentemperatur zur Folge, welche mit der Zeit in die Tiefe des Erdkörpers vordringt. Dort bildet sie sich die Störung als Wellenprofil ab, welches das i.d.R. lineare Temperaturprofil des erdwarmen Erdkörpers überlagert. Warmzeiten produzieren im Profil einen Ausschlag nach rechts und Kältezeiten einen Ausschlag nach links, der mit der Zeit, unter Abschwächung, in die Tiefe wandert. Aus der Tiefenlage und Intensität der Ausschläge kann man schließlich direkt auf die Dauer und Ausprägung der vergangenen Warm- und Kaltzeiten schließen. Dieses Verfahren ist mit weitaus geringeren Fehlern behaftet als die indirekte Ableitung der Temperatur über Proxys.

Die Ergebnisse im Vergleich:

1) Die mysteriöse Temperaturrekonstruktion, abgeleitet aus Messungen von dem 18O-Sauerstoff-Isotop im Eis des Bohrkerns, auf welche Herr Rahmstorf verweist:

http://www.pik-potsdam.de/~stefan/material/dye3.jpg

2) Die in Science-Magazin veröffentlichten Temperaturrekonstruktion, abgeleitet aus direkten Temperaturmessungen in Bohrlöchern, von Prof. Dorthe Dahl-Jensen:

Temperaturrekonstruktionen für Grönland aus Temperaturmessungen in Bohrlöchern: blau: Dye3-Bohrung, rot: GRIP-Bohrung

Kommen wir zurück auf das Eingangszitat von Herrn Rahmstorf: „Der Dye3 Eisbohrkern liegt der Wikingersiedlung am nächsten (Abbildung). Er zeigt, dass im Süden Grönlands die Temperaturen Mitte des 20. Jahrhunderts (am Ende des Bohrkerns) wärmer waren als je in den vorherigen dreitausend Jahren.“

Nun ja, die Autorin Prof. Dorthe Dahl-Jensen, hat allerdings in ihrer Arbeit festgestellt, dass die Temperaturen in Grönland um das Jahr 1000 um ca. 1°C höher lagen als 1998. Zitat: „The record implies that the medieval period around 1000 A.D. was 1 K warmer than present in Greenland.”

Fazit: Es bleibt eine mysteriöse Temperaturkurve zurück auf deren Grundlage Herr Rahmstorf die Temperaturgeschichte Grönlands erklärt. Fortsetzung folgt.

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Written by admin

Mittwoch, 27 Februar, 2008 um 15:49

Veröffentlicht in Klimawandel

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