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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Der Fall Clement

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In seiner Rede auf der Wintertagung des Deutschen Atomforums am 7.2.08 in Berlin geißelte Wolfgang Clement (Journalist und früherer NRW-Ministerpräsident und Bundeswirtschaftsminister) den Anti-Atomkurs seiner Partei mit scharfen Worten. Es sei antiquiert und absurd, am Ausstieg festzuhalten. Man müsse die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängern. Wenn dem Standort Deutschland Gefahr drohe, müsse man sich auch im Wahlkampf zu Wort melden dürfen. Die SPD-Spitzenkandidatin in Hessen Ypsilanti habe nicht nur die Atomkraft abgelehnt, sondern sich auch noch gegen Kohlekraftwerke ausgesprochen. Nicht „Wille und Vorstellung“ dürfe die Energiepolitik bestimmen, sondern Fakten, forderte Clement.

Die Entscheidung des Atomausstiegs sei eine Fehleinschätzung gewesen, die dringend korrigiert werden müsse. Der Nürnberger Parteitag 1986 mit dem Ausstiegsbeschluss stand damals unter der Gefahr eines Missbrauches der Kernkraft für militärische und terroristische Zwecke. Aber diese Position sei jetzt angesichts der weltweiten Ausbreitung der Atomenergienutzung „naiv“. Auch in anderen europäischen Ländern werde der Ausstieg revidiert, weil man die Probleme der Energie-Substitution unterschätzt habe. Kein Land der Welt hat den Ausstieg aus der Kernenergie tatsächlich vollzogen. Viele Länder haben inzwischen die Laufzeiten auf 60 Jahre verlängert oder bauen neue KKW.

Seiner Partei wirft Clement vor, sie würde keine konkreten Angaben dazu machen, wie sie die Kernkraft ersetzen wolle. Noch vor wenigen Monaten hat die SPD in einem Beschluss zum Thema „Neue Energie – Innovation, Klimaschutz, Beschäftigung“ zwar den Atomausstieg bekräftigt, „aber keine Aussage zur konkreten Situation gemacht“. Ohne Atomkraft werde man außerdem die Klima-Ziele nicht erreichen. (Welt, FAZ, taz, SZ, 8.2.08) Clement nach seiner Rede: „Ich bin Mitglied der SPD und habe auch die Absicht das zu bleiben.“ Seine Kolumne vor der Hessenwahl rechtfertigte er mit der Abwägung zwischen dem Wohl des Landes und dem der Partei. (www.tagesspiegel.de 8.2.08)

Clement: „Bisher werden Tatsachen einfach nicht zur Kenntnis genommen, weil sie nicht ins Programm passen. Doch die Stimmen derer, die wissen, dass es am Ende einen hohen Preis kostet, die Wirklichkeit zu ignorieren, würden vernehmbarer. Die Atomdebatte, die nicht nur in der SPD gärt, lässt sich jedoch nicht ignorieren“. (Wirtschaftswoche 8.2.08).

Clement wird unterstützt von prominenten SPD-Mitgliedern wie Helmut Schmidt, Hubertus Schmoldt (Vorsitzender der IG BCE), Prof. Fritz Vahrenholt (Ex-Chef der Windkraftfirma RE-power), Dr. Rolf Linkohr (langjähriger EU-Abgeordneter und Ehrenpräsident des europäischen Energieforums), Prof. Dr. Friedhelm Farthmann, langjähriger Fraktionsvorsitzender der SPD im NRW-Landtag. Weitere Unterstützer für Clements Position sind neben vielen Industrieverbänden: der jüngst mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Prof. Dr. Grünberg, Frau Prof. Dr. Claudia Kemfert (Dt. Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin/Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin), die Umweltschützer James Loveslock, Hugh Montefiori (früheres Vorstandsmitglied bei Friends of the Earth) und Patrick Moore (früherer Greenpeace-Chef). (Leserbrief in der Süddeutschen Zeitung 25.1.08, siehe http://www.buerger-fuer-technik.de)

[Auszug aus den Kurzinfos Nr. 243 vom 10.02.08 von Dr. L. Lindner]

Written by admin

Dienstag, 12 Februar, 2008 um 13:40

Veröffentlicht in Klimawandel

2 Antworten

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  1. Man sollte doch glauben, dass Clement weiß, wie Politik funktioniert. Politik ist grundsätzlich destruktiv, sie verbraucht Ressourcen und schafft keine. Sie schafft Probleme und löst keine. Das liegt auch daran, dass es in auch einem Land, dem es schlechter geht die Arbeitsplätze für Politiker erhalten bleiben, dass politische Spiel für Demagogen wird sogar einfacher.

    CK42

    Dienstag, 12 Februar, 2008 at 18:30

  2. Wir müssen wohl noch so lange warten bis das Klima mal wieder kräftig einknickt, damit die Energiefrage von allen Betroffenen als ungelöst anerkannt wird. Die Einschätzung von Herrn Wolfgang Clement würden möglicherweise sofort auf fruchtbaren Boden fallen, wenn man sich mal den Temperatursturz vor 69 Jahren in Erinnerung ruft. Wenige Monate nachdem Deutschland den 2. Welkrieg begonnen hatte, war Nordeuropa im kältesten Winter seit über 100 Jahren angekommen, siehe dazu die Diagramme für Helsinki und Hamburg auf http://www.ozeanklima.de . Dazu schreibt das Buch: „Krieg Verändert Klima“, BOD/Norderstedt, 2006, folgedes:
    Zitat-ANFANG
    Man kann es nur als Ironie des Schicksals werten, dass Hitlers Stellvertreter und Chef der Luftwaffe, Hermann Göring, in einer öffentlichen Rede am 15. Februar 1940 auf die extrem kalten Wetterbedingungen mit folgender Behauptung einging, mit der er die Kampfmoral der deutschen Bevölkerung heben wollte:

    Die Natur ist immer noch stärker als der Mensch.
    Ich kann gegen Menschen kämpfen aber nicht gegen die Natur,
    wenn ich nicht über die Mittel für so einen Kampf verfüge.
    Wir haben nicht um Eis, Schnee und Kälte gebeten –
    Eine höhere Gewalt hat sie uns gesandt.

    (Zitiert nach The New York Times, 16. Feb.1940)

    Das war falsch, denn dieser Winter war unmittelbare Folge des Seekrieges in Nord- und Ostsee. Die Nazi-Führer waren allein verantwortlich für die plötzliche Veränderung sowohl des regionalen wie des globalen Klimaeinburch der letztlich in einer globale Abkühlung mündete, die über vier Dekaden wirkte. Denn die Seekriege in Nordatlantik und Pazifik waren großräumig. Gewaltige Wassermassen wurden umgeschichtet und sorgten für eine langfristige Wirkung.
    Zitat-ENDE
    FRAGE: Soll es bei Göring’s Behauptung bleiben, daß eine höhere Gewalt den Klimaeinbruch gesandt hatte? Warum ist dieser Temperatursturz bisher her nicht erklärt? Schließlich war es der Anfang für eine globale Kaltphase von vier Dekaden.

    AlgiL

    Mittwoch, 13 Februar, 2008 at 10:48


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