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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Abbrechender Eisschelf an der Antarktis doch kein Opfer der globalen Erwärmung?

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Die globale Erwärmung ist nach einer neuen Studien nicht schuld am Abbrechen des antarktischen Larsen B Eisschelfs im Jahr 2002.

Bisher ist man davon ausgegangen, dass das 10.000 Jahre alte Larsen B Eisschelf, gelegen an der Antarktischen Halbinsel, den Klimawandel zum Opfer gefallen ist

Eine aktuelle Veröffentlichung stellt diese Annahme in Frage.

Professor Neil Glasser von der Universität Aberystwyth, einer der Leitautoren, der grade im Journal of Glaciology erschienen Veröffentlichung, äußert sich folgend:

Seiner Hypothese nach stand das Larsen B Schelfeis schon über Jahrzehnte hinweg an der Schwelle zum Abbrechen. Risse und Bruchlinien im Eis hatten die Struktur erheblich geschwächt.

 

„Der Zusammenbruch des Eisschelfes ist nicht so einfach, wie wir zunächst angenommen hatten. Weil sich große Mengen an Schmelzwasser auf den Eisschelf vor dem Zusammenbuch angesammelt hatten, ist man bisher davon ausgegangen, dass die erhöhte Lufttemperatur schuld war. Aber unsere neuste Studie zeigt, dass der Schelfeiszusammenbruch nicht einfach dem Klimawandel zuzuschreiben ist. Eine Reihe von anderen atmosphärischen, ozeanischen und glaziologische Faktoren sind beteiligt. Zum Beispiel, die Position und der Abstand von Bruchzonen auf dem Eis. Spalte und Risse sind sehr wichtig, weil sie bestimmen, wie stark oder schwach der Eisschelf ist.

Die Studie ist wichtig, weil ein Zusammenbruch des Schelfeises indirekt einen Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg liefert. Eisschelfe selbst liefern keinen Beitrag zum Meeresspiegelanstieg, da sie auf dem Meerwasser schwimmen und entsprechend ihrem Volumen, dass gleiche Volumen an Wasser verdrängen. Aber mit dem Zusammenbrechen des Schelfeises beschleunigt sich der Abfluss der Festlandgletscher in den Ozean.“

Prof. Glasser betont, dass die globale Erwärmung nur ein Faktor in einer Reihe von weiteren Faktoren sei. Beobachtungen von Glaciologen und Forschungen der NASA zeigen, dass trotz des dramatischen Abbruches in Jahr 2002, die Situation sich über Jahrzehnte zugespitzt hatte.

„Es ist wahrscheinlich, dass durch eine Eisschmelze, bedingt durch warmes Ozeanwasser, oder durch eine Hangneigung, welches sich über Jahrhunderte hinweg auf dem Eisschild der Antarktischen Halbinsel aufgebaut hat, das Larsen Schelfeis über die Kante geschoben wurde“, so der Co-Autor Ted Scambos, von der Universität Colorado, des Nationalen Schnee und Eis Datenzentrums.

Referenz:

A structural glaciological analysis of the 2002 Larsen B Ice Shelf collapse
N. F. Glasser, T.A. Scambos

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Written by admin

Freitag, 8 Februar, 2008 um 14:26

Veröffentlicht in Klimawandel

3 Antworten

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  1. Wow.
    Vielen Dank dafür, hätte ich selbst wahrscheinlich nicht gefunden, denn durch die Artikel des „Journal of Glaciology“ stöbere ich nicht. Ich muss dir auch mal ein Lob aussprechen für deinen Blog, weil es hier – auch im direkten Vergleich mit Ökologismus – eher wissenschaftlich zugeht. Ein wenig schade finde ich, dass dieser Artikel nicht vier Tage früher erschien, dann hätte ich diese Erkenntnisse noch in meinem Leserbrief zur Antarktis-Schmelze miteinbeziehen können.

    Grimsdottir

    Freitag, 8 Februar, 2008 at 15:25

  2. So langsam aber sicher zerbröselt nach und nach der anthropogene Kimawandel – immer mehr natürliche Erklärungen finden sich, werden sogar veröffentlicht ! Der Hype ist vorbei, es müssen Meinungsumfragen herangezogen werden.

    krishnag

    Freitag, 8 Februar, 2008 at 19:46

  3. http://www.pik-potsdam.de/infothek/kipp-prozesse

    15 Kollaps des Westantarktischen Eisschildes

    Obwohl das Antarktische Eisschild bisher nicht als so verletzlich wie das Grönländische eingeschätzt wird, könnte sein Kollaps innerhalb dieses Jahrhunderts ein- geleitet werden. Warmes Meerwasser kann die Eisberge an der Küste so weit schmel- zen lassen, dass die dahinterliegenden Kontinentaleismassen ins Fließen geraten. Zwischen Fels und Eisschild geratenes Meerwasser beschleunigt den Zerfall des Eises zusätzlich. Durch den völligen Kollaps des Eisschildes würde der globale Meeres- spiegel um 4–5 Meter steigen. Zeitraum: ~ 300–1000 Jahre.

    Nur 2% der Antarktis werden im Moment kleiner. 98% nicht. Nichts dem so trotz gilt dieses lokale Phänomen als eine „Mögliche Anthropogene Kipp-Prozesse im Erdsystem“.

    Peper

    Samstag, 9 Februar, 2008 at 07:29


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