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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Polarstern befreit festsitzenden Frachter am Südpol

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Seit November auf dem Weg zur Antarktis

„Neumayer III“ des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts war am 17. November 2007 in die Antarktis verschifft worden. Die 3.500 Tonnen schwere Station wurde dazu in ihre Einzelteile zerlegt und auf das dänische Frachtschiff „Naja Arctica“ verladen. Mehr als 100 Einzelsegmente in Größe von Standardcontainern wurden im Bremerhavener Fischereihafen an Bord der Naja Arctica gehievt. Die Überfahrt von Bremerhaven an die Eiskante der Atka-Bucht dauerte vier Wochen. Seit dem 18. Dezember 2007 behindert Eis das Entladen der neuen deutschen Polarforschungsstation. „Es gibt eine Meereisbarriere vor der Anlegestelle“, sagte eine Sprecherin des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) zum Jahresende und bestätigte damit Medienberichte. Das Transportschiff warte nun eine Wetteränderung ab. Ohne das Eishindernis hätte bereits am 18. Dezember 2007 mit dem Entladen begonnen werden können, sagte die Sprecherin. Das 26 Millionen Euro teure Großlabor ersetzt die bisherige Station „Neumayer II“ des AWI.

Polarstern schlägt Schneise – Neue AWI-Station fast am Ziel

Der deutsche Forschungs-Eisbrecher „Polarstern“ hat für das Frachtschiff „Naja Arctica“ ein erstes Teilstück einer Fahrrinne durch das Antarktis-Eis gebrochen. Das hat ein Sprecher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven am 10. Januar 2008 mitgeteilt. Das Frachtschiff mit der neuen deutschen Polarstation „Neumayer III“ kann sein Ziel in der Antarktis wegen einer starken Eisbarriere seit fast vier Wochen nicht erreichen. Jetzt trennt das Schiff nach Angaben aus Bremerhaven noch rund 750 Meter vom Ziel. Seit Mitte Dezember herrsche am Rande des Ekström-Schelfeises in der Antarktis für diese Zeit eine ungewöhnlich ruhige Wetterlage mit Flaute.

 

Ursprünglich sollte bereits am 18. Dezember mit dem Entladen begonnen werden; die Inbetriebnahme der neuen Station ist für Frühjahr 2009 geplant. An dieser Planung, so Röchert, ändere sich nichts, eine Wetteränderung sei derzeit nicht in Sicht. „Wir brauchen ein bisschen Sturm“, erklärte Saad El Naggar vom AWI. Eine erste Team-Gruppe habe inzwischen mit Arbeiten für das Baucamp begonnen. Weitere Mitarbeiter seien bereits von Südafrika aus auf dem Weg in die Antarktis. [11.01.2008 (Radio Bremen)]

Aus den Tagesberichten des AWI

7.1.2008: Erste Fortschritte an der Baustelle Neumayer-Station III

Steffen Spielke, erster Offizier auf der Polarstern, ist erfahren in diesen Gewässern und begleitet die Naja Arctica als Berater. Er kennt die Besonderheiten und weiß die Eissituation einzuschätzen. Selten hat er Anfang Januar solch eine dichte Eisdecke in der Atka-Bucht gesehen, und er weiss, dass diese nicht von allein verschwindet. Ein starker Sturm muss her und bestmöglich ablandiger Wind, der das Eis auseinander oder ganz aus der Bucht treibt. Selbst Risse würden helfen, Hauptsache, es kommt Bewegung auf.

Doch derzeit zeigt sich die Antarktis von ihrer besten, in diesem Fall zu ruhigen Seite. Die Wettersituation ist beständig wie selten und ausser eines schwachen Sturmausläufers über die Feiertage von gerade einmal 5 Windstärken ist kein Wind in Sicht. Am Abend des 07.01. wird daher von den Projektverantwortlichen des Alfred-Wegener-Instituts beschlossen, das wissenschaftliche Programm der Polarstern zu unterbrechen und das Schiff in die Atka-Bucht zurück zu beordern. Polarstern soll nach ihrer Ankunft, die für den 10. Januar erwartet wird, den Versuch unternehmen, eine Fahrrinne in das Meereis der Atka-Bucht zu brechen und der Naja Arctica so zu ermöglichen, die Schelfeiskante zu erreichen.

11.1.2008: Die Polarstern rammt sich ihren Weg zum Nordanleger

Der Helikopter kreiste einige Male über dem Zielgebiet und einige Stunden später verrieten die hohen Aufbauten des Forschungsschiffes dessen Position direkt im Meereis vor dem besagten Nordanleger.

Der Kampf um den Weg an die Schelfeiskante hatte begonnen. Raue Naturgewalt gegen 20.000 PS und modernste Technik. Vor und zurück und wieder vor: Mitten auf die geschlossene Eisdecke schob sich der blaue Gigant. Ein Knarren und Knirschen und das Eis zerbrach unter dem enormen Gewicht und die metergroßen Eisstücken tauchten in den wilden Wasserstrudeln an den Bordwänden wieder auf. So rammte sich die Polarstern bis an zwei Kabellängen, also gut 400 Meter an die Schelfeiskante. Doch je dichter sie dem Ziel kam, desto dicker wurde das Eis und desto schwieriger wurde das Durchkommen.

Was im ersten Moment wie der Versuch das Eis mit roher Gewalt zu bezwingen klingt, ist ein gut durchdachter Plan. Ein Sturm zieht heran und die Vorarbeit der Polarstern und die Bewegung im Meer, die der Sturm nach heutigen Vorhersagen verursachen könnte, sind die Chance das für diese Jahreszeit ungewöhnlich dicke und geschlossene Meereis zu brechen. Die freigelegte Schneise der Polarstern wirkt dabei wie eine Sollbruchstelle und bringt mit der Unterstützung der Wellen Bewegung in die Eismassen.

Noch rammt das blaue Forschungsschiff weiter, doch wenn der Sturm aufzieht, wird es sich aus dem Meereisgürtel zurückziehen. Dann heisst es Abwarten und wir alle hoffen, dass der Sturm bringt was er zu versprechen scheint: 50 Knoten aus Ost – ein wahrer antarktischer Sommersturm.

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Written by admin

Mittwoch, 16 Januar, 2008 um 14:28

Veröffentlicht in Klimawandel

3 Antworten

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  1. Nicht nur in Grönland, auch in Sibirien ist es derzeit überdurchschnittlich kalt.

    ~ghw

    Samstag, 19 Januar, 2008 at 07:58

  2. Hallo Müller,

    Was sagst Du zu folgender Meldung?

    „“Forscher entdecken Vulkan
    Erschienen am 20. Januar 2008

    Britische Wissenschaftler haben in der Westantarktis einen Vulkan entdeckt, der möglicherweise zum Abschmelzen von Gletschern beiträgt. Er liegt unter einer Eisschicht in den Hudson-Bergen nahe des riesigen Pine-Island-Gletschers. Zuletzt sei der Vulkan vor rund 2300 Jahren ausgebrochen, berichteten die Experten von der Britischen Antarktis-Forschungsgesellschaft BAS am Sonntag in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“. „Wir glauben, dass es der größte Ausbruch in der Antarktis der vergangenen 10.000 Jahre war“, sagte Hugh Corr, einer der Autoren der Studie.

    Ausbruch unter Eisdecke
    Möglich wurde die Neuentdeckung durch Radaraufnahmen aus Flugzeugen heraus aus den Jahren 2004 und 2005, die auf große Asche- und Steinschichten in 100 bis 700 Meter Tiefe hindeuteten. Es handelte sich um das erste Indiz für einen Ausbruch unter der Eisdecke überhaupt. Die Eruption, die ein großes Loch in die Eisschicht sprengte, führte den Wissenschaftlern zufolge vermutlich zu einer örtlichen Gletscherschmelze und beeinflusste auch die Strömungen an benachbarten Gletschern.

    Schmelzen Vulkane die Gletscher?
    Die Hitze, die von dem Vulkan ausgeht, habe möglicherweise zu dem in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommenen Abschmelzen des Gletschereises in der Gegend beigetragen, sagte der zweite Autor der Studie, David Vaughan. Auch Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zogen bereits im Jahr 2006 in Betracht, dass vulkanische Aktivitäten die Temperatur unter dem Eisschild soweit erhöhen, dass die Gletscher schneller abfließen. Den weitaus größeren Effekt habe aber vermutlich die Erderwärmung, so Vaughan. Das generelle Dünnerwerden des Gletschereises in der Westantarktis könne nicht durch Vulkanhitze erklärt werden.““

    Natürlich darf der übliche Kotau an das AGW nicht fehlen ;-))

    BRK

    Montag, 21 Januar, 2008 at 08:46

  3. @BRK #2

    Danke für die Info. Habe auch grade diesen Link per Mail bekommen:

    http://www.foxnews.com/printer_friendly_story/0,3566,323645,00.html

    Ich mache mich mal daran einen Beitrag zur Westantarkris zu verfassen :)

    Müller (Admin)

    Montag, 21 Januar, 2008 at 10:22


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