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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Der Globale-Cooling-Konsens der 1970er Jahre, alles nur ein Mythos?

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Wir erinnern uns, in den 1970er Jahren gab es schon einmal eine Klimahysterie. Oder etwa nicht? Nach dem zweiten Weltkrieg begann jedenfalls die Globaltemperatur zu sinken und man fragte sich warum ist das so?

Murray J. Mitchell veröffentlichte im Jahr 1963 die erste up-to-date Temperatur-Rekonstruktion und zeigte, dass ein globaler Abkühlungs-Trend in den 1940er Jahren begonnen hatte. Mitchell verwendete Daten von fast 200 Wetterstationen, zusammengestellt unter dem World Weather Records Projekt unter der Schirmherrschaft der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization). Damit berechnete er die durchschnittlichen Temperaturen für verschiedene geographische Breitenbereiche. Seine Analyse zeigte, dass die globalen Temperaturen seit den 1880er Jahren, dem Beginn seiner Aufzeichnung, relativ stetig zugenommen hatten bis etwa um das Jahr 1940. Ab etwa 1940 setzte dann eine stetige multidekaden Abkühlung ein (Mitchell 1963). In den frühen 1970er Jahren, als Mitchell den Stand seiner Arbeit aktualisierte (Mitchell 1972), war die Ansicht über den globalen Abkühlungstrend allgemein akzeptiert, wenn auch wenig verstanden.

Mitchell, J.M., Jr., 1963: On the world-wide pattern of    secular    temperature change. In:  Changes  of  Climate.  Proceedings  of  the  Rome Symposium Organized by  UNESCO  and  the  World  Meteorological  Organization, 1961.

Cooling4

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Schnell war eine Ursache für die Abkühlung gefunden, nämlich die steigende Luftverschmutzung (Bryson 1970, Rasool und Schneider 1971, Yamamoto und Tanaka 1972). Aber auch natürliche Einflüsse wurden diskutiert (Mitchell 1970, Kukla und Mitchell 1972). Die entscheidende Frage war, ob sich dieser Trend fortsetzen würde, oder sich langfristig gesehen die angenommene “Treibhauswirkung” des CO2 durchsetzen würde.

Im Angesicht der nahenden Katastrophe und der kalten Wintern dieser Zeit sind die Medien aber sehr schnell in eine “Eiszeithysterie” verfallen.

In der TV-Dokumentation “In Search of…” (welche wöchentlich von 1976-1982 ausgestrahlt wurde, durch die Sendung führe u.a. Leonard Nimoy) wurde u.a. über eine drohende Eiszeit berichtet.

The Coming Ice Age: An inquiry into whether the dramatic weather changes in America’s northern states mean that a new ice age is approaching. Original broadcast: May 1978.

Teil2

Teil3

In der Dokumentation kamen einige Klimawissenschaftler zu Wort. U.a. Prof. Dr. H. Stephen Schneider. „Klimatologe“ an der Stanford University, USA.

Es wurde spekuliert durch den Einsatz von Atombomben, oder durch eine dunkle Bestäubung das Polareis zum Schmelzen zu bringen und somit eine drohende Eiszeit abzuwenden.

Rasool und Schneider prognostizierten 1971 in der renommierten Fachzeitschrift SCIENCE für den Fall, dass sich die globalen Aerosolemissionen vervierfachen würden, ein Absinken der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu 3,5 °C und warnten davor, dass dies eine Eiszeit auslösen könnte.

S. I. Rasool und S. H. Schneider: Atmospheric Carbon Dioxide and Aerosols: Effects of Large Increases on Global Climate. In: Science. Band 173 (3992), 1971, S. 138-141. doi:10.1126/science.173.3992.138

Eine weitere Arbeit zum Thema Aerosole und den Auswirkungen auf die Globaltemperatur, an welcher Scheider beteiligt war, findet sich hier:

R. J. Charlson, Halstead Harrison, Georg Witt, S. I. Rasool, and S. H. Schneider. Aerosol Concentrations: Effect on Planetary Temperatures: Science 7 January 1972: Vol. 175. no. 4017, pp. 95 – 96. DOI: 10.1126/science.175.4017.95-a

Stephen Schneider welchselte schließlich die Seite und war Leitautor in der Working Group II (TAR) des IPCC Weltklimaberichtes der UN von 2001.

Heute ist Prof. Schneider einer der eindrücklichsten Warner vor einer vom Menschen verursachten Klimaerwärmung und Begleiter von Al Gore.

Eine weitere TV-Dokumentation dieser Zeit, welche sich mit einer drohenden Eiszeit auseinandersetzte, wurde unter dem Titel “THE WEATHER MACHINE” ausgestrahlt.

“The Weather Machine” BBC 1974

Zur Wort kam George Kukla, ein in der Tschechei geborener „Klimatologe“. Er ist emeritierter Professor für Klimatologie an der Columbia University und Forscher am Lamont-Doherty Earth Observatory.

Kukla war der Meinung und ist es heute noch, dass allen Eiszeiten in der Erdgeschichte eine globale Erwärmung voraus ging und das globale Klima in Zyklen verläuft. Die lagen Zyklen sind die Erdbahn abhängigen Milankovich-Zyklen. Ihr Zyklus von etwa 100.000 Jahren deckt sich gut mit der Periodizität der Eiszeiten. Zwischen den Eiszeiten liegen die sog. intergazialen Warmzeiten. Das Holozän ist nur eine weitere Warmzeit, dass mehr als die Hälfte überschritten ist, sagt Kukla. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis das neue Eiszeitalter starten wird. Die kurzen Zyklen verlaufen im Abstand von 60 bis 80 Jahren, in der einen Hälfte geht es aufwärts und in der andren wieder abwärts. Diesbezüglich sollten wir beobachten, wie sich El Niño und La Niña, eine Temperaturanomalie im tropischen Opstpazifik, entwickeln werden. Er vertritt die Ansicht, dass die jüngste Erwärmung der Erde überwiegend natürlich ist und letztendlich in einer neuen Eiszeit enden wird. „Der Mensch ist nur für einen Teil der globalen Erwärmung verantwortlich, der überwiegende Teil ist natürlich.“

Schon in der 1970er Jahren, in welchen die Scheebedeckung der Nordhalbkugel und damit die Refektion der einfallenden Sonneneinstrahlung deutlich zunahm, vertrat er dieser Meinung und wurde vielfach in der Presse zitiert.

Sieh z.B.

New York Times, 21 Mai 1975

Newsweek, 28 April 1975

George Kukla sagt heute:

The only thing to worry about global warming is the damage that can be done by worrying. Why are some scientists worried? Perhaps because they feel that to stop worrying may mean to stop being paid.

„Das Einzige, worüber man sich bei der globalen Erwärmung Sorgen machen sollte ist der Schaden, welcher durch die Sorge angerichtet werden kann. Warum sind einige Wissenschaftler besorgt? Vielleicht weil sie spüren, dass das Ende der Besorgnis ein Ende der Bezahlung bedeuten kann.“

Veröffentlichungen u.a.

Kukla,   G.J.   and   H.J.   Kukla,   1974: Increased surface albedo in the Northern Hemisphere. Science, 183, 709-714.

G. J. Kukla et al.: New data on climatic trends. In: Nature 270, 1977, 573–580. doi:10.1038/270573a0

“Indicators of large-scale climate developments show that the oscillatory cooling observed in the past 30 yr in the Northern Hemisphere has not yet reversed. This conclusion was reached by updating our data on the month-to-month, season-to-season, and year-to-year variations of selected zonally averaged meteorological parameters.”

In dieser Studie kam er zu dem Schluss, dass die Abkühlungsphase der vorangegangenen 30 Jahre noch nicht zum Stillstand gekommen war.

G. Kukla, R.K. Matthews and J.M. Mitchell, Jr., The end of the present interglacial. Quaternary Research 2 (1972), pp. 261–269

Kukla, G. J., and R. K. Matthews, 1972, “When will the present interglacial end?,” Science, 178:190-191

Im Januar 1972 kamen Kukla und Matthews zu einer Konferenz in der Brown University in Providence/ Rode Island zusammen. Teilgenommen haben die damaligen “Topforscher” aus Europa und Amerika. Diskussionsthema war “The Present Interglacial, How and When will it End?” (“Die aktuelle Warmzeit, wie und wann wird sie enden?”). Die Schlussfolgerungen wurden in den oben genannten Veröffentlichungen von 1972 zusammengefasst.

Die Hauptergebnisse der Konferenz teilen Kukla und Matthews dem Büro des US-Präsidenten Nixon im folgenden Schreiben vom 3. Dezember 1972 mit:

Achtung!

Nicht zu finden in “The Myth of the 1970s Global Cooling Scientific Consensus” von 2008

Cooling7b

Vergrößerung: Klick

In dem Schreiben warnen Sie vor einer drohenden Eiszeit und deren Auswirkungen.

“ … a global deterioration of climate, by order of magnitude larger than any hitherto experienced by civilized mankind, is a very real possibility and indeed may be due very soon. The cooling has natural cause and falls within the rank of processes which produced the last ice age. This is a surprising result based largely on recent studies of deep sea sediments.”

“… eine globale Verschlechterung des Klimas, von der Größenordnung größer als alle bisher von den zivilisierten Menschheit erlebten, ist eine sehr reale Möglichkeit, die wohlmöglich sehr schnell eintreten kann. Die Kühlung ist natürlichen Ursprungs und fällt in den Rang von Prozessen, welche die letzte Eiszeit verursacht haben. Dies ist ein überraschendes Ergebnis, welches vor allem auf die jüngsten Studien von Tiefsee-Sedimenten hervorgeht.”

Das Weiße Haus nahm die Angelegenheit sehr ernst und leitete das Kukla-Matthews-Schreiben an das Amt für internationale wissenschaftliche und technische Angelegenheiten des State Departments weiter. (Bureau of International Scientific and Technological Affairs of the State Department). Das wiederum leitete das Schreiben an die höchst beauftragte, ressortübergreifende Stelle, das Interdepartmental Committee for Atmospheric Sciences (ICAS) weiter, um die Angelegenheit “zu überprüfen und geeignete Maßnahmen” einleiten zu können. Das ICAS stellte daraufhin ein Ad-hoc-Gremium zusammen, um auf das Schreiben zu antworten. Darin vertreten waren Dr. David M. Hirschfield ((Chair) Department of Agriculture), Mr. Joseph O. Fletcher (National Science Foundation), Dr. J. Murray Mitchell, Jr. (National Oceanic and Atmospheric Administration), Col. John S. Perry (Department of Defense).

Das folgende Jahr war ein besonders arbeitsreiches, da das Gremium Rat von Experten auf dem Gebiet einholte. Letztendlich kam man zu dem Schluss, dass das Thema von so einer übergeordneten Bedeutung ist, dass man ein nationales Klimaprogramm ins Leben rufen sollte.

Die ganze Geschichte ist hier nachzulesen

Origins of a ‘diagnostics climate center’

Oder hier

Oder hier

Damit sollte klar geworden sein, dass das Thema einer drohenden Eiszeit in den frühen 1970er Jahren nicht nur von medialem, sondern auch politischem Interesse war.

Das Thema war auch für die CIA von Bedeutung. Einer der Hauptprotagonisten war dabei Reid Bryson. Siehe dazu:

“A study of climatological research as it pertains to intelligence problems”, CIA, August 1974 (36 pages)

Kommen wir auf weitere Arbeiten dieser Zeit zu sprechen, die eine drohende Eiszeit, bzw. einen Abkühlungstrend diskutieren.

Bryson, Reid, A; Kutzbach, John E. (1968). Air pollution. Washington: Association of American Geographers. ASIN B0006BWL46.

Bryson ging davon aus, dass Schmutzpartikel und die steigende Luftverschmutzung für die beobachtet Abkühlung seit dem zweiten Weltkrieg verantwortlich sind und das diese Effekte für eine weitere Abkühlung sogen könnten.

“The continued rapid cooling of the earth since WWII is in accord with the increase in global air pollution associated with industrialization, mechanization, urbanization and exploding population. — Reid Bryson, “Global Ecology; Readings towards a rational strategy for Man”, (1971)”

Veröffentlichungen u.a.

James T. Peterson and Reid A. Bryson, Science, 4 October 1968. “Atmospheric Aerosols: Increased Concentrations during the Last Decade”

Bryson, Reid A. (1974). “A Perspective on Climatic Change.” Science 184: 753-60.

Bryson, Reid A., and W.M. Wendland (1975). “Climatic Effects of Atmospheric Pollution.” In The Changing Global Environment, edited by S.Fred Singer, pp. 139-47. Boston: Reidel.

oder

Bryson, Reid A., and W.M. Wendland (1975). “Climatic Effects of Atmospheric Pollution.” In Global Effects of Environmental Pollution, edited by S. F. Singer, pp 130-38

Cooling

Bryson, Reid A., and Thomas J. Murray (1977). Climates of Hunger: Mankind and the World’s Changing Weather. Madison: University of Wisconsin Press.

In einem Interview von 2007 nahm, der inzwischen verstorbene Bryson, Stellung zur aktuellen Klimahysterie.

Vor knapp 40 Jahren stand Bryson vor der American Association for the Advancement of Science (weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft und Herausgeber der Zeitschrift Science) und präsentierte eine Veröffentlichung, die besagte, dass menschliche Aktivitäten das Klima ändern könnten.

“Ich wurde ausgelacht, als ich das sagte” teilte er mit.

In den 1960er Jahren galt diese Idee noch als eine radikale Vorstellung. Heute haben sich die Dinge aber genau ins Gegenteil verkehrt. Erneut ist Bryson ein Gegner der weitläufigen Meinung. Er sagt:

“Climate’s always been changing and it’s been changing rapidly at various times, and so something was making it change in the past,”

“Das Klima hat sich schon immer geändert und das rapide zu den unterschielichen Zeiten, und zwar durch Veränderungen in der Vergangenheit”

“Before there were enough people to make any difference at all, two million years ago, nobody was changing the climate, yet the climate was changing, okay?”

“Bevor es genug Menschen gab, vor zwei Millionen Jahren, war Niemend da um das Klima zu verändern und doch änderte sich das Klima. OK?”

“All this argument is the temperature going up or not, it’s absurd,” “Of course it’s going up. It has gone up since the early 1800s, before the Industrial Revolution, because we’re coming out of the Little Ice Age, not because we’re putting more carbon dioxide into the air.”

“Diese ganze Argumentation, ob die Temperatur steigt, oder nicht, ist absurd. Natürlich geht sie rauf. Sie geht rauf seit den frühen 1800er Jahren, also schon vor der industriellen Revolution und zwar weil wir aus der kleinen Eiszeit kommen und nicht weil wir mehr CO2 in die Atmosphäre entlassen.”

In seinen weiteren Ausführungen weist Bryson auf die mittelalterliche Warmzeit der Wikinger-Ära hin und auf mittelalterliche Funde unter den derzeitigen Alpengletschern.

Angesprochen auf die Treibhauswirkung von CO2, weist er darauf hin, dass Wasserdampf ein vielfach potentielleres Treibhausgas als CO2 ist und eine CO2-Verdopplung nur einen geringfügigen Einfluss auf die Temperatur hat. Die Daten, mit welchen die Computermodelle gefüttert werden, bewerten das CO2 über und den Einfluss der Wolken und des Wasserdampfes unter, so Bryson.

Bryson sagt, er schaut in die entgegengesetzte Richtung, auf vergangene klimatische Bedingungen, um Hinweise über das künftige Klima zu gewinnen. So würden beispielsweise die Studien zu den antarktischen Eiskernen zeigen, dass in den letzten 650.000 Jahren immer zuerst ein die Temperatur angestiegen ist und dann das CO2.


Reid Bryson in einer TV-Diskussion im Dez. 2007

Kommen wir auf weitere Arbeiten und Protagonisten dieser Zeit zu sprechen, die eine drohende Eiszeit, bzw. einen Abkühlungstrend diskutieren.

Robert A. McCormick und John H. Ludwig: Climate Modification by Atmospheric Aerosols. In: Science 156 (3780), 1967, S. 1358-1359. doi:10.1126/science.156.3780.1358

McCormick und Ludwig kamen in dieser Studie von 1967 zu dem Schluss, dass die anthropogenen Aerosolemissionen die Albedo erhöhten und dadurch die Abkühlung verursacht hätten.

G. Yamamoto, and M. Tanaka, “Increase of global albedo due to air pollution,” J. Atmos. Sci. 29, 1405–1412 (1972).

Zu einen ähnlichen Schluss kamen Yamamoto und Tanaka in ihrer Studie von 1972.

Zu dem Thema Aerosole und Klima existieren etliche Studien aus dieser Zeit.

Die entscheidende Frage war, ob sich der Cooling-Trend fortsetzen würde, oder sich langfristig gesehen die angenommene “Treibhauswirkung” des CO2 durchsetzen würde.

Bzgl. der Wirkung der Aerosole prognostizierten Rasool und Schneider 1971 für den Fall, dass sich die globalen Aerosolemissionen vervierfachen würden, ein Absinken der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu 3,5 °C und warnten davor, dass dies eine Eiszeit auslösen könnte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Yamamoto und Tanaka in ihrer Studie von 1972.

Bzgl. der Treibhauswirkung des CO2 wurde i.d.R. auf die Studie von Syukuro Manabe und Richard T. Wetherald aus dem Jahre 1967 zurückgegriffen.

Syukuro Manabe and Richard T. Wetherald, Thermal Equilibrium of the Atmosphere with a Given Distribution of Relative Humidity, Journal of the Atmospheric Sciences 1967

Hiernach ergab sich für eine CO2-Verdoppelung (bei gleichbleibender Luftfeutigkeit) eine Temperatuerhöhung von 2°C. Einige Autoren gingen davon aus, dass die Aeorosole weiterhin der dominierende Faktor bleiben würden (oder werden würden), andere gingen davon aus, dass irgendwann (in Laufe von Jahrzehnten) die Treibhauswirkung des CO2 überwiegen könnte. So schreibt Carl Sagan (der “Schöpfungsvater” der Treibhaustheorie auf der Venus, (Sagan, C., The Radiative Balance of Venus, Tech Rep. JPL No. 32-34, 1960.)) beispielsweise zum Einfluss des CO2 in “Earth and Mars: Evolution of Atmospheres and Surface Temperatures” von 1972:

“Major variations in the CO2 abundance will have only minor greenhouse effects because the strongest bands are nearly saturated. A change in the present CO2 abundance by a factor of 2 will produce directly a 2 ° variation in surface temperature”

“Große Schwankungen in der CO2-Menge haben nur eine geringfügig Auswirkung auf den Treibhauseffekt, da die stärksten Absorptions-Banden (des CO2) nahezu gesättigt sind. Eine Änderung der derzeitigen CO2-Menge um den Faktor 2 bewirkt unmittelbar eine 2 ° Veränderung der Oberflächentemperatur.”

Aber auch Sagan war zwiegespaltener Meinung. In der Wissenschaft Serie Cosmos von 1980: A Personal Voyage, warnte der Physiker Carl Sagan vor einer katastrophalen Abkühlung durch das Verbrennen und den Kahlschlag der Wälder. Er postulierte, dass die erhöhte Albedo der Erdoberfläche zu einer neuen Eiszeit führen könnte.

Sagan, C., O. B. Toon, and J. B. Pollack, 1979: Anthropogenic albedo changes and the Earth’s climate. Science, 206, 1363-1368.

Aus der ganzen Debatte sollte letztendlich eines ersichtlich geworden sein, nämlich welche Bedeutung damals den Aerosolen beigemessen wurde (bis zu -3,5°C Abkühlung) und welche dem CO2 (bis zu +2°C Erwärmung).

Was man dazu wissen sollet: In den 1980er Jahren hat die Luftverschmutzung stark abgenommen. Die damit verbundene Auswirkung auf die Temperatur (Abnahme des kühlenden Effektes) wäre damals vermutlich anders bewertet worden als heute.

Heute geht man davon aus, dass die Aerosole den Temperaturanstieg durch CO2 nur “maskieren” und eher eine unterordnete Rolle spielen.  Diese Ansicht geht auf eine Arbeit von James Hansen aus dem Jahre 1978 zurück.

Hansen, J.E., W.-C. Wang, and A.A. Lacis, 1978: Mount  Agung  eruption  provides  test  of  a global climatic perturbation. Science, 199, 1065-1068,  doi:10.1126/science.199.4333.1065.

(Demnach wären, in der sich abkühlenden Nachkriegszeit, die natürlichen Faktoren klimabestimmend gewesen).

Aktuell hat man allerdings festgestellt, dass die Temperatur nicht “unaufhaltsam” weiter ansteigt, sonder von natürlichen Einflüssen überlagert wird. Siehe z.B. Mojib Latif, er geht von stagnierenden bzw. abnehmenden Temperaturen für die nächsten ein bis zwei Dekaden aus.

In den Klimawissenschaften scheint jedenfalls etwas von Bestand zu sein, nämlich der stetige Meinungswandel.

Mein Fazit: Wie die Klimadebatte der vergangenen und heutigen Tage zeigt, gab es zu keiner Zeit einen wissenschaftlichen Konsens. Die Protagonisten haben im Laufe der Zeit ihre Meinungen geändert, oder auch nicht,  einige sind von uns gegangen und neue sind hinzugekommen. Das vorherrschende Medien- und Meinungbild wurde vorwiegend durch aktuelle Wetterereignisse wie Kälteeinbrüche und Hitzewellen geprägt. Die Politik schließt sich letztendlich der Mehrheitsmeinung an. Im Endeffekt zählen aber nicht die Majoritäten sondern es zahlt wer am Ende Recht hat.

Anhang

Zeitleiste an Artikeln zum Klimawandel:

  1. Prospects of another glacial period; Geologists Think the World May Be Frozen Up Again“, New York Times, 24 February 1895
  2. “Fifth Ice Age Is on the Way”, Los Angeles Times, 7 October 1912
  3. Sees Glacial Era Coming: Prof. Schmidt Warns Us of an Encroaching Ice Age”, New York Times, 7 October 1912
  4. “Mac Millian Reports Signs of New Ice Age”, New York Times, 18 September 1924
  5. “America in Longest Warm Spell Since 1776; Temperature Line Records a 25-Year Rise”, New York Times, 27 March 1933
  6. “A warmer Earth evident at poles”, Gladwin Hills, New York Times, 30 May 1947 — “A mysterious warming of the climate is slowly manifesting itself in the Arctic, engendering a “serious international problem,” Dr. Hans Ahlmann, noted Swedish geophysicist, said today.”
  7. “Is the World Getting Warmer?”, Albert Abarbenel and Thomas McCluskey, Saturday Evening Post, 1 July 1950
  8. “Our Changing Climate … the world has been getting warmer in the last half century”, New York Times, 10 August 1952
  9. “Climate – the Heat May be Off”, Fortune,  Francis Bello, August 1954 — “Despite all you may have read, heard or imagined, it’s been growing cooler – not warmer since the Thirties”
  10. The Coming Ice Age“, Betty Friedan, Harper’s Magazine, September 1958 — “A true scientific detective story”
  11. “A Warmer Earth Evident At Poles”, New York Times, 15 February 1959
  12. Carbon Dioxide and Climate“, Scientific America, July 1959
  13. “Atmospheric Aerosols: Increased Concentrations during the Last Decade”, James T. Peterson and Reid A. Bryson, Science, 4 October 1968
  14. “Expert Says Arctic Ocean Will Soon Be Open Sea”, New York Times, 20 February 1969
  15. “Colder Winters Held Dawn of New Ice Age”, Washington Post, 22 April 1970
  16. Climate Modification and National Security“, R R Rap, RAND, October 1970
  17. Inadvertent Climate Modification: Report of the Study of Man’s Impact on Climate, MIT Press, 1971
  18. “Atmospheric Carbon Dioxide and Aerosols: Effects of Large Increases on Global Climate”, Rasool and Schneider, Science, 9 July 1971
  19. The Effect of Atmospheric Aerosols on Climate with Special Reference to Temperature near the Earth’s Surface“, J. Murray Mitchell Jr., Journal of Applied Meteorology, August 1971
  20. “The Present Interglacial, How and When Will it End?”, Science, October 1972 — Summary of conference held in January 1972 at Brown U.
  21. “Brace Yourself for Another Ice Age”, Science Digest, February 1973
  22. “Ominous Changes in the World’s Weather”, Tom Alexander, Fortune, February 1974
  23. “A Perspective on Climatic Change”, Reid A. Bryson, Science, 17 May 1974
  24. Another Ice Age?“, Time, 24 June 1974
  25. “Report of the Ad Hoc Panel on the Present Interglacial”, the panel was created by the US government’s Interdepartmental Committee for Atmospheric Sciences, August 1974
  26. “A study of climatological research as it pertains to intelligence problems”, CIA, August 1974 (36 pages)

  27. “Potential Implications of Trends in Population Growth, Food Production, and Climate”, CIA, August 1974
  28. “Climate Changes Endanger World’s Food Output”, New York Times, 8 August 1974 – Picture of article.
  29. A Reassessment of Atmospheric Pollution as a Cause of Long-Term Changes of Global Temperature“, J. Murray, Mitchell Jr., in Global Effects of Environmental Pollution, edited by S. Fred Singer. Dordrecht: Reidel. (1975).
  30. “Understanding Climate Change: A Program for Action”, National Academy of Science, 1975
  31. “Climate Changes Called Ominous”, New York Times, 19 January 1975 — Picture of article.
  32. “A change in the weather”, George F. Will, op-ed in the Washington Post, 24 January 1975
  33. Climate Change:  Chilling Possibilities“, John F. Douglas, Science News, 1 March 1975
  34. “The Cooling World”, Newsweek, 28 April 1975 (posted with permission at the Washington Times here; or read this image)
  35. Scientists Ask Why World Climate is Changing; Major Cooling May Be Ahead”, The New York Times, 21 May 1975
  36. “In the Grip of a New Ice Age”, Nigel Calder (was editor of New Scientist), International Wildlife, July 1975
  37. “Climatic Change: Are We on the Brink of a Pronounced Global Warming?”, Wallace S. Broecker, Science, 8 August 1975 (abstract)
  38. The Cooling, Lowell Ponte (Prentice Hall, 1976)
  39. Interview with Professor Reid Bryson in Mother Earth News, March/April 1976 — Wikipedia entry for Bryson.
  40. “The world’s climate is getting worse”, BusinessWeek, 2 August 1976
  41. “Global Cooling?”, P E Damon and S M Kunen, Science, 6 August 1976 (abstract)
  42. “What’s Happening to Our Climate”, Samuel W. Matthews, National Geographic, November 1976 (text; image)
  43. The Weather Conspiracy:  The Coming of the New Ice Age, (Ballantine Books, 1977)
  44. Carbon Dioxide and Climate: A Scientific Assessment“, National Academy of Science, July 1979
  45. The Ice Age Cometh?“, Time, 31 January 1994
  46. “The Little Ice Age and Medieval Warm Period in the Sargasso Sea”, Lloyd D. Keigwin, Science, 29 November 1996
  47. “The end of the present interglacial”, W.S. Broecker, Quaternary Science Reviews, 1 August 1998
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Written by admin

Dienstag, 3 November, 2009 at 12:45

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

8 Antworten

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  1. Hervorragende Zusammenstellung und ein Fundus an Informationen !
    Danke

    krishnag

    Dienstag, 3 November, 2009 at 16:04

  2. Hallo Herr Müller,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel. Ich hatte bei Readers-Edition vor einiger Zeit ein paar Kommantatoren, die felsenfest davon überzeugt waren, Global Cooling in den 70ern wären nur ein paar Einzelmeinungen gewesen…

    Hier Sieht man, was davon zu halten ist. Und die Mechanismen waren damals sogar ähnlich wie heute:

    CIA: Ice age threatens to cause major migrations
    and mass starvations

    Rudolf Kipp

    Dienstag, 3 November, 2009 at 16:45

  3. Der Film The weather Machine von Nigel Clader lief übrigens auch in Deutschland unter “Die Wettermaschine“.

    Ich plane ebenfalls auf Readers Edition einen Artikel zu diesem Thema. Darf ich Sie da zitieren?

    Hier noch ein paar Beiträge, die ich gefunden habe:

    Brace yourself for another Ice Age

    Time: Another Ice Age?

    Science 1979: Global Cooling?
    Paul E. Damon and Steven M. Kunen

    Holdren’s Ice Age Tidal Wave

    Rudolf Kipp

    Dienstag, 3 November, 2009 at 17:00

  4. Die Studie “The Myth of the 1970s Global Cooling Scientific Consensus“ fand ich auch sehr hilfreich. Darüber hat ja schon unser gemeinsamer Freund Hoffmann berichtet…

    Eine interessante Arbeit, schließlich widersprechen die Autoren ihrer Hauptaussage selbst:

    Indeed, the Earth appeared to have been cooling for more than 2 decades when scientists first took note of the change in trend in the 1960s. The seminal work was done by J. Murray Mitchell [in 1963, showing that] global temperatures had increased fairly steadily from the 1880s, the start of his record, until about 1940, before the start of a steady multidecade cooling (Mitchell 1963). By the early 1970s, when Mitchell updated his work (Mitchell 1972), the notion of a global cooling trend was widely accepted, albeit poorly understood.

    The first satellite records showed increasing snow and ice cover across the Northern Hemisphere from the late 1960s to the early 1970s. This trend was capped by unusually severe winters in Asia and parts of North America in 1972 and 1973 (Kukla and Kukla 1974),[b]which pushed the issue into the public consciousness (Gribbin 1975)[/b]. The new data about global temperatures came amid growing concerns about world food supplies, triggering fears that a planetary cooling trend might threaten humanity’s ability to feed itself (Thompson 1975).“

    Eine nette Anlyse der Arbeit habe ich hier gefunden.

    Rudolf Kipp

    Dienstag, 3 November, 2009 at 17:14

  5. Hallo Herr Kipp,

    Sie können mich gerne zitieren.

    Ich habe für die Recherche zu diesem Beitrag “nur” ca. 4 Tage benötigt. Was ich da so alles gefunden habe.

    Am meisten war ich darüber verwundert, dass Thomas C. Peterson (NOAA), der Autor von

    „The Myth of the 1970s Global Cooling Scientific Consensus“

    nichts von dem Kukla-Matthews-Meeting von 1972 und den Brief an Nixon erwähnt. Zumal J. Murray Mitchell, Jr. (ebenfalls NOAA) sowohl am Treffen, als auch im Ad-hoc-Gremium beteiligt war.

    klimakatastrophe

    Dienstag, 3 November, 2009 at 18:29

  6. Gerade eben gefunden: Propheten und Moneten

    „Wie wir uns von Prognosen manipulieren lassen“

    p.s.: Gut daß Sie wieder auf Sendung sind Hr. Müller!

    mfg

    Zyniker

    Donnerstag, 5 November, 2009 at 00:04

  7. Wenn jatzt auch noch dazu kommt, daß die Beck’schen CO2 Auswertungen sich zum Teil heute noch verifizieren lassen und vergleichbar machen lassen, flippen Vennecke und andere Klimaterrier total aus und sabbern und geifern vor sich hin:
    Tatsächlich besteht das Problem von zuverlässigen CO2-Konzentrationsmessungen darin, dass zahlreiche Effekte die CO2-Werte in Bodenhöhe extrem variieren lassen, so etwa der Wind, die mit der Tageszeit wechselnden atmosphärischen Inversionsschichten u.a.m.

    krishnag

    Donnerstag, 5 November, 2009 at 19:34

  8. Na, wenn das keine informative Zusammenstellung zu diesem Thema ist… Vielen, vielen Dank

    Bibliothekar

    Dienstag, 10 November, 2009 at 21:16


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