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Ein Umweltphysiker im Klimawandel

Archiv für Februar 5th, 2009

Zur Temperaturentwicklung in Nordwesteuropa

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Die Temperatur in Nordwesteuropa ist im Zeitraum von ca. 1980 und 2007 merklich angestiegen. (Seit 2007 gehen die Werte wieder zurück).

Das ist zweifelsfrei den Messwerten der Wetterstationen zu entnehmen. Es stellt sich aber die Frage nach den Ursachen der Erwärmung zwischen ca. 1980-2007. Könnte hierfür der Treibhauseffekt verantwortlich sein, oder lässt sich der Temperaturanstieg auch über andere Einflüsse erklären?

Es bietet sich an einen Blick auf die direkte Sonneneinstrahlung aus dem Weltall (TSI : Total Solar Irradiation) und die am Erdboden ankommende Sonnen- und Himmeleinstrahlung (Globalstrahlung) zu werfen. Weiter bietet sich an einen Blick, auf die für Nordwesteuropa wetterbestimmende, Nordatlantische Oszillation (NAO) zu werfen. Die folgende Abbildung zeigt einen Überblick der drei Parameter.

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Vergrößerung: Klick

Der obere Teil der Abbildung zeigt eine Zusammenstellung aus rekonstruierten Werten der direkten Sonneneinstrahlung (TSI nach Lean et al. 2000) und Messwerten von Satelliten aus (PMOD). Gut zu sehen ich der 11jährige Sonnenzyklus. Die Sonneneinstrahlung ist im 20. Jh. stark angestiegen und erreicht ein Maximum um 1950. Ein zweites Maximum wird um 1980 erreicht. Danach verharren die Werte auf verhältnismäßig hohen Niveau und beginnen mit Ende des letzten Sonnenzyklus zu sinken. Die Schwankungen bewegen sich im Bereich von +- 0,5 Watt pro Quadratmeter. Ein direkter Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung aus dem Weltall und der Erwärmung im Zeitraum von ca. 1980-2007 ist hier nicht ersichtlich.

Der mittlere Teil der Abbildung zeigt die am Erdboden ankommende Sonnen- und Himmeleinstrahlung (Globalstrahlung) an der Messstation Potsdam Telegrafenberg. Eine der am längsten betriebenen und zuverlässigsten Stationen. Ähnliche Verläufe zeigen Wetterstationen in ganz Europa. Schön zu erkennen ist, dass zwischen ca. 1980 und heute die Einstrahlung am Erdboden um mehr als 10 Watt pro Quadratmeter zugenommen hat. Ein beachtlicher Wert, welchen wir der abnehmenden Luftverschmutzung und infolge dessen den abnehmenden Nebeltagen zu verdanken haben. Dieses Phänomen wird global beobachtet. Die Globalstrahlung liegt in Deutschland heute auf dem Niveau von 1950. Um 1950 war es in Deutschland ebenfalls verhältnismäßig warm gewesen, allerdings nicht ganz so warm wie heute.

Der untere Teil der Abbildung zeigt den Winterindex (Dez/Jan/Feb/März) der Nordatlantischen Oszillation. Ein Wettersystem zwischen Islandtief und Azorenhoch, was vor allem in den Wintermonaten für Nordwesteuropa wetterbestimmend ist. Man sieht, dass der Index in den 1980er und 1990er Jahren stark angestiegen ist. Genau in diese Zeit fällt auch die Erwärmung in Nordwesteuropa. Um 1950 lagen die Werte auch im positiven Bereich, aber deutlich niedriger, als in den 1980er und 1990er Jahren.

Damit sollte eines klar geworden sein. Sowohl die Globalstrahlung, als auch der NAO-Winterindex sind mit der Erwärmung der 1980er und 1990er Jahren stark angestiegen. Ein ansteigender Treibhauseffekt entzieht sich hingegen der Messung.

Anlage: Temperaturzeitreihen des DWD für Karlsruhe und Bremen

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Written by admin

Donnerstag, 5 Februar, 2009 at 14:49

Veröffentlicht in Klimawandel, Nicht kategorisiert

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