Archiv für Dezember 2008
Auch Weltverbessern will gelernt sein
Was macht eigentlich… der Klimawandel? So könnte man am Ende des Jahres eins nach dem Annus horribilis fragen – jenem Jahr 2007, in dem uns vier Mammutkonferenzen den Weltuntergang predigten und alle anderen, nicht minder brennende Themen verdrängten. WELT-ONLINE-Autor Ulli Kulke fordert: Schluss mit dem Klimatismus!
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Weinbau und Klimageschichte in Britannien
Über den Vorstoß und Rückzug der Weinbaugrenze in Großbritannien lassen sich recht genau die Klimaschwankungen der letzten 2.000 Jahre zurück verfolgen. Insgesamt an die 500 Weinberge, zurückreichend bis in die Besatzungszeit Britanniens durch die Römer, sind wissenschaftlich dokumentiert.
In Britannien wird Wein seit der römischen Zeit angebaut. Die Römer haben die ersten Weinberge angelegt. In der römischen Provinz Britannien gehörte der Wein bereits zum Haushalt. Das weiß man durch Funde von römischen Trinkgefäßen und Weinamphoren. In Northamptonshire entdeckte man eine römische Villa mit ausgedehnten Weinbergen. Weitere Weinberge entdecke man in der Umgebung.
Historische Funde und Aufzeichnungen, sowie moderne Klimarekonstruktionen deuten darauf hin, dass es zur Römerzeit in Nordeuropa im Schnitt etwas wärmer war als heute.
Dem Klima-Optimum der Römerzeit folgte das sog. Klima-Pessimum der Völkerwanderungszeit und des Frühmittelalters. Erst im Verlaufe des Mittelalters wurde es wieder wärmer.
Die Abkühlung während der Völkerwanderungszeit und des Frühmittelalters führte dazu, dass der Weinbau auf den Britischen Inseln für Jahrhunderte zum Erliegen kam. Die Römer haben in dieser Zeit Britannien verlassen. Erst die Normannen haben im Hochmittelalter wieder Weinbau betrieben und zwar in etwa so weit nördlich wie zur Römerzeit.
Im Mittelalter war der Weinbau in England wieder bedeutend geworden. Man weiß, dass es im 11. Jahrhundert 38 Weinberge gab. Im Norden reichten sie bis Yorkshire. Aber auch diese Hochzeit neigte sich dem Ende.
Mit Einzug des Spätmittelalters folgte die sog. kleine Eiszeit mit eisigen Wintern und es blieben nur noch ein paar Weinberge in Südengland übrig.
Am Vorstoß und Rückzug der Weinbaugrenze in Großbritannien lassen sich somit recht genau die Klimaschwankungen der letzten 2.000 Jahre zurück verfolgen. Während des sog. Klima-Optimums der Römerzeit und rund tausend Jahre später, während der mittelalterlichen Warmphase, wurden in nördlichen Breiten Weinberge angelegt. Während der Kältephasen der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters und besonders in der frühen Neuzeit – der sog. Kleinen Eiszeit – verschwanden viele dieser Weinberge. Heute sind sie wieder auf dem Vormarsch.
Heute wird Weinbau vor allem im Süden Britanniens betrieben. Mit viel Idealismus, in geschützter Lage, mit neunen Rebensorten und moderner Technik wird sogar ein kleiner Weinberg in Yorkshire betrieben (Leventhorpe Vineyard). Damit reicht die Weinanbaugrenze ähnlich weit nach Norden wie im Mittelalter, bzw. wie zur Römerzeit. Der einzige Unterschied. Damals war alles noch Handarbeit und man hatte keine große Auswahl an Rebsorten, keine Pflanzenschutzmittel und keinen Industriedünger.



