Archiv für September 2008
Mittelalterliche Warmzeit und Kleine Eiszeit in der Antarktis, im Widerspruch zum Michael Mann Hockeystick
Khim et al. (2002) haben über einen Sedimentkern, entnommen dem östlichen Bransfield Becken (61°58.9′S, 55°57.4′W) am nördlichen Ende der Antarktischen Halbinsel gelegen, die klimatischen Bedingungen der letzten Jahrtausende (des Holozän) im Bereich der Antarktischen Halbinsel rekonstruiert. Untersucht wurden, die Korngröße, der organische Kohlenstoffgehalt, der biogene Silikatgehalt, die magnetische Suszeptibilität (MS), sowie das 210Pb-Alter und 14C-Alter (Radiokarbonalter) der Sedimente.
In der MS-Aufzeichnung konnte eindeutig eine Kleine Eiszeit und eine mittelalterliche Warmzeit identifiziert werden. Andere, unerklärte klimatische Ereignisse, die in Dauer und in Intensität der Kleinen Eiszeit und mittelalterlichen Warmzeit gleichen, konnten identifiziert werden und lassen auf ein sehr wechselhaftes Klima während des Spätholozän im Bereich der Antarktischen Halbinsel schließen.
Der Michael Mann Hockeystick einmal mehr widerlegt
Marie-Alexandrine Sicre vom LSCE (Institut “von” Herrn Hoffmann) hat kürzlich diese Arbeit in der renommierten Fachzeitschrift Earth and Planetary Science Letters veröffentlicht.
Decadal variability of sea surface temperatures off North Iceland over the last 2000 years
Sicre et al. haben Alkenone in einem Sedimentkern, stammend aus Grönland See, untersucht und eine Altersdatierung der Sedimente vorgenommen.
Alkeneone sind organische Substanzen, sog. Biomarker, welche von bestimmten marinen Algenarten in Abhängigkeit von der Wassertemperatur gebildet werden. Sie lassen sich in marinen Sedimentkernen nachweisen und dienen zur Rekonstruktion der Paläotemperatur der Meeresoberfläche. Mittels der Tephrochronologie, einer Datierungsmetode mit Hilfe von vulkanischen Aschelagen, kann dann auf das Alter der Sedimente geschlossen werden.
Für die Grönland See konnte mittels dieses Verfahrens die folgende Meeresoberflächentemperatur rekonstruiert werden.
Vergrößerung: Klick
Sehr schön sind das Klimaoptimum der Römerzeit um das Jahr 0 AD, dass nachfolgende Völkerwanderungs-Pessimum, dass mittelalterliche Optimum um 900-1300 AD und die nachfolgende Kleine Eiszeit zu erkennen. Zum Vergleich: Das heutige Level der Meeresoberflächentemperatur (im Sommer) der Region liegt bei knapp 9°C. Demnach haben wir heute in etwa das Level des mittelalterlichen Optimums und das des Optimums der Römerzeit erreicht. Ähnliches zeigen frühere Arbeiten mit Auswertungen von Sedimentkernen aus der Sargasso-See (Keigwin, Science 1996) und dem östlichen, subtropischen Atlantik (deMenocal et al., Science 2000) (siehe die anliegenden Abbildungen, stammend aus den beiden genannten Arbeiten).

Das arktische Meereis und die Sonne
Seit nunmehr 30 Jahren wird das arktische Meereis von Satelliten aus beobachtet und vermessen. In dieser Zeit konnte eine deutliche Abnahme der Meereis-Fläche/Ausdehnung festgestellt werden. Diese Abnahme wird vielfach einem Menschen gemachten Klimawandel zugeschrieben. In wie weit lässt sich diese Annahme aber belegen?
Kurzzeittrends sagen nur sehr wenig über die Klimavergangenheit des arktischen Meereises aus. Die Satellitenvermessungen reichen bis ins Jahr 1978 zurück, eine ausklingende Kältezeit, welche durch den Ausstoß von Aerosolen (dem sog. Global Dimming), durch eine geringere Sonnenaktivität und durch einen überwiegend negativen NAO-, AMO-, LFO-, PDO- und ENSO-Index entscheidend geprägt war (natürliche Oszillationen, Wettersysteme, kalte Meeresströmungen). Was viele nicht wissen, in den 30er und 40er Jahren war die Arktis ähnlich warm wie heute. (Siehe dazu die folgende Abbildung).
Wie sieht die Klimavergangenheit des arktischen Meereises der letzten Jahrhunderte aus? Diese Information kann weitere Rückschlüsse liefern. Satellitenvermessungen aus der Zeit vor 1978 existieren leider nicht, also muss man hier auf überlieferte Beobachtungen zurückgreifen. Die Seefahrer beobachteten schon früh die sommerlichen Meereisgrenzen. Aus der Norwegischen See liegen Aufzeichnungen und Werte vor, die bis ca. 1730 zurück reichen, also in eine Zeit, die als Kleine Eiszeit in die Geschichte eingegangen ist. Während der Kleinen Eiszeit gab es Phasen verminderter Sonnenaktivität, welche durch besonders niedrige Temperaturen gekennzeichnet waren. Der Einfluss von Sonnenaktivität und natürlichen Oszillationen auf die arktische Meereisausdehnung ist hier nahe liegend. Die anliegende Abbildung nach Vinje 2001, Akasofu 2006, Kramm 2007 (oberer Teil) zeigt die beobachtete, sommerliche Meereisausdehnung in der Norwegischen See zwischen ca. 1730-2000. Der untere Teil der Abbildung zeigt die zeitgleich beobachtete monatliche Zahl der Sonnenflecken, als Maß der Sonnenaktivität. Der untere Teil der Abbildung wurde auf den Kopf gestellt, zwecks direkten Vergleich mit dem Meereisgraphen.
Vergrößerung: Klick
Kommend aus dem Maunder Minimum (von ca. 1645-1715) der Kleinen Eizeit wird um 1760 eine Warmphase mit erhöhter Sonnenaktivität erreicht. Diese Zeit ist durch eine besonders weit nach Norden zurückweichende Meereisgrenze gekennzeichnet. Die Kleine Eiszeit endet mit dem sog. Dalton Minimum der Sonnenaktivität, welches zwischen ca. 1790-1830 erreicht wird. Das Dalton Minimum ist durch eine besonders weit nach Süden vorstoßende Meereisgrenze gekennzeichnet. Der Übergang vom Dalton Minimum zum Modernen Maximum der Sonnenaktivität spiegelt sich in guter Übereinstimmung im Meereis wieder. Kommend aus der Kleinen Eiszeit nimmt die Meereisausdehnung seit ca. 1800 beständig ab. Ein Zwischenminimum um ca. 1945 wird erreicht, das mit der steigenden Sonnenaktivität und der arktischen Warmzeit der 30er und 40er Jahre zusammenfällt. In den nachfolgenden, kalten Jahrzehnten erholt sich das Meereis wieder, bevor es dann wieder wärmer wird und es weiter Berg ab geht. Ein außergewöhnlicher/einmaliger Abfall ist dabei nicht zu erkennen, in Anbetracht dessen, dass die Sonnenaktivität in den 80er Jahren ein neues Zwischenmaximum erreicht hat und sich gleichzeitig die Aerosolkonzentration in der Luft stark verringert hat und so, trotz aktuell abnehmender Sonnenaktivität, mehr Sonnenlicht bis auf den Erdboden gelangen kann. Die Globalstrahlung welche auf den Erdboden gelangt entspricht heute in etwa dem Maximum der 40er Jahre (siehe die anliegende Abbildung mit Messwerten aus Potsdam).
Fazit: Die letzten 30 Jahre Meereisgeschichte zeigen im Verlaufe der letzten Jahrhunderte kein außergewöhnliches Verhalten. Eine ähnlich geringe Meereisausdehnung wie heute wurde in der Norwegischen See (Grönland See) schon im mittelalterlichen Optimum und um 1760 erreicht, ein weiteres Minimum wurde um 1945 erreicht. Dazu sollte man wissen, im Klimaoptimum des Holozäns vor ca. 5.000-8.000 Jahren und im Eem vor rund 120.000 Jahren (ebenfalls Warmphasen mit hoher Sonnenaktivität) war es um einige Grad wärmer in der Arktis als heute. Kommend aus der Kleinen Eiszeit ist der „Schmelztrend“ seit ca. 1800 weder außergewöhnlich, noch einmalig. Aktuelle Messungen zeigen, dass sich von 2007 auf 2008 der “Schmelztrend” in der Arktis durch eine ca. 10%ige Eiszunahme gegenüber dem Vorjahresminimum wieder abgeflacht hat (siehe die anliegende Abbildung, oberer Teil). Weiter sollte man nicht vergessen, dass in der Antarktis (am Südpol) gegenüber 1978 ein Zuwachs an Meereis zu verzeichnen ist (siehe die anliegende Abbildung, unterer Teil). Wie es weiter gehen wird bleibt abzuwarten.
Vergrößerung: Klick
Anlage (Geschichte des arktischen Meereises der letzten 800 Jahre, Meereisbeobachtungen vor Island & Grönland):
Steht eine kleine Eiszeit bevor?
Die Erde steht möglicherweise vor einer neuen kleinen Eiszeit, wie sie vom 15. bis in das 19. Jahrhundert mit langen Wintern und kalten Sommern herrschte.












