Archiv für Mai 1st, 2008
s’cooltour 2008/09 – Klimaerziehung an Schulen
James Hansens Klimaprognosen aus dem Jahr 1988
James E. Hansen (* 1941 in Iowa) ist ein US-amerikanischer Klimaforscher. Er ist Direktor des Goddard Institute for Space Studies (GISS) der NASA und Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der Columbia University. Bekannt wurde Hansen besonders in den 1980ern als einer der ersten Wissenschaftler, der eindringlich vor den Gefahren der globalen Erwärmung warnte.
Hansen hielt bereits vor 20 Jahren Reden vor dem amerikanischen Senat und präsentierte seine Forschungsresultate, siehe den folgenden Link.
http://cce.890m.com/hansen-nov87-sen-en-nat-res.pdf
Siehe dazu auch den Beitrag auf Climate Review „Amerikanische Dürren“
Die Prognosen von Hansen aus den Jahren 1984-1988, welche er im Jahr 1988 präsentierte, sahen wie folgt aus.
Vorgestellt wurden 3 Szenarien (A, B und C).
Szenario A:
Ohne Vulkanausbrüche, exponentiell ansteigende Treibhausgaskonzentration (1,5% pro Jahr), Business as Usual Szenario. Angenommener Temperaturanstieg: 0,37°C pro Jahrzehnt.
Szenario B:
Angenommene Vulkanausbrüche in den Jahren 1995 und 2015, linear ansteigende Treibhausgaskonzentration, meist plausibles Szenario. Angenommener Temperaturanstieg: 0,25°C pro Jahrzehnt.
Szenario C:
Angenommene Vulkanausbrüche in den Jahren 1995 und 2015, geringerer ansteigende Treibhausgaskonzentration, strenge Maßnahmen (Emissionshandel) ab 2000. Angenommener Temperaturanstieg: 0,24°C pro Jahrzehnt.
Weiter ist im oberen Teil der Abbildung die gemessene Globaltemperatur bis 1988 verzeichnet.

Im unteren Teil der Abbildung findet sich eine Gegenüberstellung zwischen den Projektionen von 1988 und der tatsächlich gemessenen Globaltemperatur über Land, sowie über Land + See. Der Vulkanausbruch des Pinatubo im Jahr 1991 ist durch einen gelben Kreis kenntlich gemacht. Beobachtet wurde (nach GISS-Datensatz von Hansen) ein Temperaturanstieg von 0,25°C pro Jahrzehnt über den Landteil und von 0,20°C über den Land+Seeteil, mit stark abnehmender Tendenz seit 1998. Die Messwerte liegen damit im untersten Bereich der Projektionen von 1988. Und das, ohne das einschneidende Maßnahmen in Sachen CO2-Emissionen getroffen wurden.
Wie begründet Hansen diese Differenzen? In einer Veröffentlichung von 1998 weist er darauf hin, dass das Business as Usual Szenario nicht das höchstwahrscheinlichste sei. Die Sowjetunion sei zusammengebrochen, FCKWs (CFCs) wurden verboten, der Anstieg in der Methankonzentration hätte sich abgeflacht, der Pinatubo sei ausgebrochen, …
Nun gut, um Hansen entgegen zu kommen greife ich auf das Szenario B zurück. 1988 hatte Hansen angenommen, dass sich die Globaltemperatur in den 90er Jahren (entsprechend Szenario B) wie folgt ändern würde (linker Teil der Abbildung). Im rechten Teil der Abbildung ist die tatsächlich gemessene Temperaturveränderung der 90er Jahre abgebildet.

Die Modellannahmen zeigen global eine starke Erwärmung, vor allem in den hohen und niederen Breiten (Polargebiete). Die polaren Winter auf der NH und SH zeigen im Modell eine deutliche Erwärmung. Die Messungen zeigen hingegen eine moderatere Erwärmung. In Teilen der Arktis und Antarktis sind sogar Abkühlungen zu verzeichnen. Z.B. im Bereich der Baffinbai (zwischen Kanada und Grönland), in der Ostantarktis und im winterlichen Nordpolarmeer, sowie im sommerlichen Nordpazifik.
Rückblickend auf Hansens Modelle von 1988 kann man schlussfolgern, dass er seinerzeit eher zur Übertreibung neigte. Auch heute noch ist er ein eindringlicher Warner, wie das anliegende Video zeigt (mit deutschem Untertitel).
Siehe auch
Erderwärmung macht Pause
Die Erwärmung der Atmosphäre könnte zehn Jahre pausieren, sagen Forscher aus Kiel und Hamburg. Die Ursache seien ozeanische Strömungen. Deren „Gedächtnis“ soll Klimaprognosen künftig präziser machen

Aus dem Munde von Klimaforschern ist in diesen Tagen Ungewohntes zu vernehmen: Die globale Durchschnittstemperatur könnte in den nächsten zehn Jahren stagnieren anstatt zu steigen, berichten Forscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel.